Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 22.07.2003
Andächtig hat Christoph Bartmann diesen Band in den Händen gehalten, der dreiunddreißig von Jan Peter Tripp gezeichnete "Augenlandschaften" mit bisher unveröffentlichten Prosa-Miniaturen von W.G. Sebald verbindet, eine "Wahlverwandtschaft im Zeichen der Schwermut". Kaum nötig, darauf hinzuweisen, dass auf Tripps Bildern ebenso wenig gelacht werde wie in Sebalds Büchern. Doch für Bartmann steigert Tripps "verschärfender Zugriff" auf die Augen eines Proust, Beckett oder Borges noch den Ernst - oder gar "die metaphysische Trauer" - in eine unheimliche, "furchterregende Tiefe". Sebalds dazugestellte Miniaturen findet Bartmann sogar so schwermütig schön, dass er die Behauptung wagt: "Man müsste sich schon an einen Mast ketten lassen, um von der Sirenenkraft solcher Sätze gefeit zu sein." Lob geht auch an das "kluge Nachwort" von Andrea Köhler, Kritik einzig an Hans Magnus Enzensberger, dessen Abschiedsgedicht an Sebald für Bartmanns Geschmack zu "leichtfüßig" ist.
© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2003
Szenen der "chthonischen Naturnähe, der heilen Sprache aus einem Zwischenreich von Utopie und Vergangenheit" hat Rezensent Lorenz Jäger in den hier versammelten literarischen Momentaufnahmen gefunden, die aus dem Nachlass W.G. Sebalds veröffentlicht wurden. Einmal sieht er in diese Natur auch "unheilverkündende 'Hakenkreuzler'" ragen. Insgesamt stellen die im Buch versammelten "vier-, fünf- oder sechszeiligen" Texte (und auch das Nachwort von Andrea Köhler) für ihn außerdem eine Verbindung zwischen Werk und Biografie Sebalds her, die (als eine Art Selbstopfer) für den Rezensenten auch Elemente der "Wiedergutmachung im Medium der Existenz" aufweisen. Ebenso wie die kurzen Texte haben auch die bereits zu Sebalds Lebzeiten zur gemeinsamen Veröffentlichung vorgesehenen Radierungen von Jan Peter Tripp eine einfache Form, so Jäger. Es handelt sich um Augenpaare von Freunden und Zeitgenossen, schreibt der Rezensent, der im Auge die "moralisch ausdrucksvollste Partie des Gesichts und zugleich ganz stumme Natur" erkennt.
© Perlentaucher Medien GmbH
Pressestimmen
"Dieses Buch verströmt de besondere Wärme Sebalds, jene bedingungslose Teilhabe am Leben durch die Arbeit des Schreibens ... Groß mutet es an, einfach und lebensnah." Hans-Joachim Neubauer, Rheinischer Merkur, 20.03.03 "Die wirklich großen Schriftsteller, heißt es, erkennt man bereits an einem einzigen Satz. Bei W.G. Sebald ist das ohne Zweifel der Fall." Oliver Pfohlmann, Saarbrücker Zeitung, 08.05.03