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Das Unerfreuliche zuerst: Herrengeschichten
 
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Das Unerfreuliche zuerst: Herrengeschichten [Illustriert] [Taschenbuch]

Sibylle Berg
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 168 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1.Auflage (August 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 346203037X
  • ISBN-13: 978-3462030372
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12,4 x 1,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 284.519 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Sibylle Berg
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Unter Herren

Es war tief in den Jahren der Kohl-Ära, die Frauenbewegung stand in schönster Blüte, als der Kohlenpott-Rocker Herbert Grönemeyer sämtliche Urteile, Vorurteile, Klischees und Gemeinplätze über seine Artgenossen zu einer Hymne der virilen Gegenreformation verrührte. "Männer nehmen in den Arm, geben Geborgenheit, / weinen heimlich, brauchen viel Zärtlichkeit, / sind so verletzlich, sind auf dieser Welt einfach unersetzlich."

Sibylle Berg, wir ahnten es, kommt in ihren Feldforschungen zwischen Stammtisch, Südseeinsel und Schleiflackschlafzimmer zu einem anderen Ergebnis. Kein geringerer als Gott ist es, der den letztinstanzlichen Befund ausspricht: "Dreckzeug." Und wirklich: Gegen die Mehrzahl der Exemplare, die wir in Bergs 17 "Herrengeschichten" kennen lernen, wirken die Figuren eines Michel Houellebecq nachgerade als fidele, aufgeräumte Zeitgenossen. Ob allein vor heimischer Schrankwand, oder in Honkong, Lanzarote und Bangkok, ob einsam oder mit Lebensabschnittsgefährtin -- Erfreuliches, wie es der Buchtitel doch immerhin auch nahe legt, bekommen wir nicht zu sehen.

Stattdessen: Viel Schmutz, viel schmutziger Sex, viel Sehnsucht. Das Leben eben. Liebe? "Ich würde ihr sehr gerne erst die Finger brechen, dann die Augen mit Sekundenkleber zupappen, die Füße schnüren und den spitzen Mund mit einem Bügeleisen bearbeiten. Eingeschaltet, versteht sich. Höchste Stufe." -- Ein Buch also, so recht dazu angetan, es mit einem hübschen Schleifchen zu versehen und mit einer Packung "Ferrero Küsschen" einem nahe stehenden Menschen zu schenken. "Menschen", so verrät einer der Berg'schen Helden von der traurigen Gestalt, "erscheinen mir oft wie Nuklearsprengköpfe". Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Frau Berg besser nicht. --Niklas Feldtkamp

Kurzbeschreibung

Der nächste Berg ist stets das Höchste (Der neue Alpinist) Die Zeit der kleinen Brötchen ist vorbei (Die Bäckerblume) Seidiges Fell, kräftiger Biss - fünf Sterne (Herr und Hund) Der Erfolg gibt ihr Recht (Jura im Alltag)

Sibylle Berg ist wieder da. Als wäre sie nie fort gewesen. Und war sie auch nicht. Sie war nur in der Fremde: bei Männern. Dort hat sie viel gesehen, erlebt, gelernt. Und das teilt sie, wie es ihre Art ist, großzügig mit ihren Lesern. Zum Teil großzügiger als nötig vielleicht: Denn diese Kurzgeschichten, Szenen, Momentaufnahmen sind so spaßig wie die Wahrheit. Also eher gar nicht. Gut, dass man wenigstens drüber lachen kann. Aus dem Inhalt: Der Mann als solcher, einsam, gescheitert, tot. Dann: Der Mann, wie er raucht, weil er weiß, dass er stirbt. Der Mann, der ficken will. Ficken Ficken Ficken. Der Mann, der Sehnsucht hat, aber das wird nichts. Außerdem: Der Mann im Ausland, in Hongkong, Lanzarote, Bangkok. Der Mann und die Frau, mal schon tot, mal muss er das selbst erledigen. Der Mann und die Liebe, ein Desaster. Ein Witz? Ist das ein Witz? Ist das alles vielleicht ein Witz? Nein, das ist Literatur, das sind große Gefühle, Wahrheit, ernst gemeint bis auf die Knochen. Aber deshalb muss man es selber lesen. Sie werden verstehen, warum wir hier nichts nacherzählen. Danke!


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Grossartige Literatur 29. Juli 2003
Von Pascal
Format:Taschenbuch
Während meines Indien-Trips habe ich die Herrengeschichten von Sibylle Berg gelesen. Tief beeindruckt, sitze ich nun in einem Internet-Café, um dieses Buch weiterzuempfehlen. Mein Fazit ist kurz: Das ist grossartige Literatur einer brillanten Schriftstellerin. Wer Bergs Texte liest, der darf lachen, das befreit. Er soll aber auch darüber nachdenken. Die Darstellungen als zynisch abzutun, wäre zu einfach, sind sie doch alles andere als realitätsfremd. Die Tragik, die Schicksale, die uns Männer ein Leben lang begleiten, deckt Sibylle Berg pointiert auf. Vermutlich würden wir Männer uns nie trauen, so schonungslos über uns nachzudenken. Bezeichnend und erfreulich, dass eine Frau aus Mitleid, aus Neugierde vielleicht auch, sich unserer Spezies angenommen hat und - wenn ihr mich fragt - uns die entscheidenden Denkanstosse liefert. Chapeau!
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Sibylle Berg kommt zur Sache. Wie gewohnt. Ohne Umwege. Und wenn doch, dann überraschende Umwege. Ein Berg-Novize staunt. Ein erprobter Berg-Leser auch. Bloss nicht aus denselben Gründen. Hardcore für den einen, subtile und gleichzeitig brutale Variation des Themas Menschen, Männer, Triebe, Sehnsüchte und sublimierte Jämmerlichkeit für den anderen.

Stark im Wort und stark in der Betrachtung. Schon mal richtig niederträchtige Gedanken gehabt? Nicht ein bisschen böse, richtig runtergefahren gemein? Die lassen sich überbieten, keine Bange. Schon mal aus der Sicht eines Mörders die Welt betrachtet? Tun Sies über Sibylle Berg, das verhindert Unheil. Schon mal mit dem Hirn eines Vergewaltigers gedacht? Oder den Betrachtungen eines Sex-Maniac nicht bloss gefolgt, seine Bilder beinahe selbst erdacht und projeziert? Die gängige Formel zurückgelehnter Leser hier und Protagonist da funktioniert bei Herrengeschichten nicht. Der Leser wird zum involvierten Mitwisser und Komplizen, weil die Geschichten über ihre bizarren Figuren eine beklemmende Nähe zur Psyche des Täters schaffen. Und der Täter rückt dadurch so nah, weil er durch sachlich vorgetragene Ungeheuerlichkeiten irgendwie normal erscheint. Im Ton. Die schneidende Diskrepanz zwischen Sachlichkeit und Ungeheuerlichkeit lässt empfindsame Seelen ab und an nach Luft schnappen. Und weniger Empfindsamen bleibt die Luft eben einfach weg. Zuweilen.

Roter Faden und Faszination der einzelnen Geschichten: Eine Frau denkt 18 Geschichten lang männlich. Männlicher als jeder Mann, der genau weiss, was ein Mann tun muss, um Mann zu sein. Sie setzt sich selbst quasi im Hirn der Protagonisten fest und reflektiert aus deren Psyche, denkt deren Gedanken, spricht deren Sprache und tut Dinge, die nur Männer tun können. Herrengeschichten eben. Unerfreuliche dazu. So brillant mit der Sprache aus fremden Hirnen formuliert, dass sich Unerfreuliches, wenn nicht erfreulich, dann zumindest gebannt und gefesselt lesen lässt.

Ende des Lesens ist man(n) nicht ganz unfroh, dass Schluss ist. Schliesslich möchte man noch jemanden kennen, den man mag. Einfach so. Ohne zu viel zu fragen oder zu wissen. Aber gut, der Aufbau kann wieder beginnen. Das männliche Selbstverständnis hat Zeit, sich zu kitten und ins Lot zu bringen, bis zur nächsten Berg-Attacke. Kommt die, ist man(n) mit etwas Glück ein bisschen weiter. Nicht unmännlicher. Menschlicher vielleicht, eine Spur. Weil das temporäre Ankratzen des männlichen Stolzes und ein tiefer Blick in etwas zu männliche Abgründe vielleicht nicht die Welt verändern, aber immerhin: zu viel Mann muss nicht sein, männlicher Mensch genügt. Dergestalt gerüstet freue ich mich auf das nächste Berg-Werk.

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Portrait des Stumpfsinns 8. August 2011
Format:Taschenbuch
Zweifellos großartig geschrieben.
Dennoch von einer derart depressiven Eintönigkeit, dass ich mich gezwungen habe das Buch wegzulegen.
Wer das mehr oder weniger schleichende Grundgefühl hat, dass das menschliche Leben nur bedeutungsloses Existieren ist, wir hier in Fr. Berg eine Schwester in Gedanken finden.
Mir wars dann doch zu frei von Überraschungen.
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