Direkt vorab: Reynolds Erstlingswerk ist beste SciFi Unterhaltung und absolut empfehlenswert! Dieses Weltraum-Abenteuer hat neben typischen Science Fiction Elementen auch Machtspiele, Intrigen, einen Schuss Mystery und eine (wenn auch sehr verkümmerte) Prise Romantik zu bieten. Mir hat das Buch so gut gefallen, dass ich mir die beiden anderen bisher in Deutsch erschienen Romane von Reynolds (Chasm City und Die Arche) auch direkt gekauft habe.
Der berühmte und egozentrische Wissenschaftler Dan Sylveste forscht auf dem Planeten Resurgam nach den Gründen für den Untergang des Volkes der Amarantin und gerät dabei in die politischen Wirren dieser aufstrebenden Forschungskolonie. Gleichzeitig verfolgt der Leser in zunächst losgelösten Handlungssträngen die Söldnerin Ana Khouri und die Besatzung des Schiffes „Sehnsucht nach Unendlichkeit". Und dann gibt es da noch diesen rätselhaften, gespenstergleichen Virus „Sonnendieb", der auf dem Raumschiff sein Unwesen treibt. Schnell merkt man wie diese Handlungsstränge - eigentlich miteinander unvereinbar - aufeinander zu laufen und sich ein Konflikt anbahnt. Für mich durchaus ein nicht zu unterschätzendes Spannungselement dieses Buches.
Aber damit kommen wir auch schon zu den negativen Punkten dieses Buches:
Im Zentrum der diversen Handlungsstränge steht unser Protagonist Sylveste, in den Alastair Reynolds für meinen Geschmack einfach zu viel hineinpackt. Der Spross einer im ganzen Universum berühmt-berüchtigten Familie, genialer Wissenschaftler, Archäologe und Abenteurer, der ganz nebenbei (zumindest am Anfang) auch noch politischer Führer der Kolonie auf Resurgam ist und in der Vergangenheit selbst die tödlichsten Gefahren unversehrt überstanden hat - für mich einfach ein bisschen zu viel und zu dick aufgetragen, um daraus einen glaubhaften und realistischen Charakter zu machen.
Und einige Spannungs- und Konfliktknoten, die Reynolds geschickt aufbaut, lösen sich für meinen Geschmack zu einfach auf (wie etwa die wahre Identität der mysteriösen Mademoiselle um nur ein Beispiel zu nennen). Außerdem lässt Reynolds einiges an erzählerischem Potenzial aus, wozu ich mir gern mehr Details und Hintergründe gewünscht hätte (z.B. was wirklich bei den Schleierwebern geschah), aber das Buch ist mit seinen fast 800 Seiten auch so schon lang genug. Völlig unverständlich ist für mich, wie für einige andere Rezensenten, das Personenregister am Anfang in dem schon mal vorab verraten wird, wer von wem getötet wird oder wer was im Schilde führt. Ich kann nur davon abraten, dieses Personenregister zu lesen.
Nichtsdestotrotz bekommt das Buch von mir 4 Sterne, weil es gelungene und spannende Unterhaltung bietet, die Lust auf mehr macht.