Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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99 von 107 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Stimmungsstrudel, 12. September 2009
Anfänglich abgeschreckt von Allem, Umfang, Preis, Rezensionen (fulminat, überbordend, kompliziert, wegweisend, bla...), dann doch spontan gekauft (muss ich haben!), ohne auf Büchereien, Paperbacks oder wohlmeinende Freunde zu warten.
Und Glück gehabt. Zwar nicht ganz, bei der Seitentzahl aber schon annähernd unendlicher Spaß. Und wie Vorredner schon sagten, es zieht einen förmlich in die Geschichte/Geschichten. Ursprünglich wollte ich zur Beruhigung meiner Nerven zeitgleich ein leichter verdauliches Buch beginnen, um einen unkomplizierten Notanker als pflegeleichtes Betthupferl zu haben. Inzwischen unnötig und ungelesen. Ich will dringend im "Spaß" weiter lesen. Aber nicht, damit ich den Fortgang der Geschichte miterleben darf, zu 90% um einfach wieder in diese Stimmung abzutauchen. Auch der Effekt, bei Seite 200 noch mal von vorne anzufangen, trat bei mir ein. Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, etwas Entscheidendes verpasst zu haben, nur die leise Ahnung, alles noch mal irgendwie anders erleben zu können.
Dieses Buch hat alles, was ich normalerweise nur in sehr geringen Dosen oder nicht immer vertrage: über 1000 Seiten, bisweilen nicht endende Monstersätze, wirre Übergänge, zu viele Fremdwörter. Merkwürdig ist nur, dass zumindest mich das zu keinem Zeitpunkt gestört hat. O.k., man sollte sich irgendwann mit sich selber einigen, ob jedes Fremdwort nachgeschaut werden soll (dann Lexikon direkt daneben legen), oder ob einem die genaue Bedeutung eher egal ist (kein Problem, die meisten sind nicht weiter wichtig und die Bedeutung kann weitgehend immer erraten werden).
Aber einmal begonnen, sog mich der Schmöker schlicht und ergreifend zwischen seine Seiten. Man findet sich in einer Parallelwelt wieder, von der man nie so genau weiß, wie weit entfernt diese von der eigenen Welt eigentlich ist. Alltäglicher Wahnsinn, bizarre Lebensentwürfe und psychische Abnormitäten werden in schillernden und immer wechselnden Farben haarklein beschrieben, die Sprache durchweg passend zu der großen Anzahl der Charaktere.
Nicht zuletzt kommt diese Nähe wohl auch durch die eigenen Lebensumstände des im letzten Jahr durch Selbstmord gestorbenen Autors. In vielen Passagen ist förmlich zu spüren, dass hier die vermeindlich erfundene Geschichte mehr als deutliche autobiographische Züge enthält. HIer geht es um das Innen, nicht das Außen.
Und wer soll das alles lesen? Ich für meinen Teil bin ein Fan von lebensnahen Geschichten, alltäglichen Vorkommnissen, den Untiefen des wirklichen Lebens, welche in Worten beschrieben werden, die mir leider fehlen. Ich liebe T.C.Boyle, Nick Hornby, Paul Auster. Klare, direkte Sprache, Charaktere, die vom Leben nicht verschont werden, realitätsnah.
Und um überhaupt einen Anhaltspunkt zu geben, diese Buch erinnert mich sehr oft an "Die Korrekturen" von Franzen. Und selbiges würde ich am liebsten noch essen, so gut finde ich das...
Leute, lest es doch einfach. Und wenn es nix war, ihr bekommt es bei Amazon oder Ebay locker wieder weg. Wenn es aber dann so wichtig wird, wie für mich jetzt, dann darf es nicht weniger sein. Dick, gebunden und bereit, jeden Tag wieder zu zeigen, dass Andere noch viel verrückter sind.
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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ja, ich bin paranoid, aber bin ich paranoid genug?, 1. Oktober 2009
Es ist vollbracht: Ich habe diesen 1547 seitigen, gewaltigen Roman durchgelesen; meinen derzeit höchsten literarischen Gipfel erklommen. Das Problem: der Abstieg wird mir sehr schwer fallen, dass kann ich jetzt, 15 Minuten nach Durchlesen des Romans, schon absehen.
David Foster Wallace ist mit "Unendlicher Spaß" etwas Gewaltiges gelungen. Eine Allegorie voller süchtiger, kranker und depressiver Protagonisten, die sich auf ca. 30-40 erstrecken und den Leser, jeder für sich, in ihren Bann ziehen.
Der Inhalt spielt in einer nahen Zukunft und dreht sich in erster Linie um Hal; Hal ist ein hoch intelligenter Schüler und begabter Tennisspieler. Er ist an der E.T.A., einer Schule für Jugendliche, die sich im Tennisbereich äußerst talentiert zeigen. Wir schreiben das Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche, denn die Regierung hat die Jahreszahlen an große Werbefirmen verkauft, die damit nun ihre Produkte anpreisen können und ebenfalls das Recht erkaufen, die amerikanische Freiheitsstatue, mit dem entsprechenden Produkt auszustatten - ergo: Der Miss Liberty wurde eine gigantische Windel, die Inkontinenz-Unterwäsche, angezogen. Außerdem gibt es die nordamerikanischen Staaten nicht mehr, denn diese haben sich zur O.N.A.N. zusammengeschlossen, der Organization of North American Nations, die von rollstuhlfahrenden Terroristen, den A.F.R., terrorisiert werden. "Unendlicher Spaß" ist der Titel eines Films, den Hals Vater gedreht hat, und den jeden, der diese "Patrone", wie diese DVD-Verschnitte genannt werden, in verwahrloste und unwillige Geschöpfe verwandelt, die nur noch einen Lebensinhalt
haben - diesen Film zu sehen.
Sie sehen, dass diese kurze Inhaltsangabe vor Abkürzungen und wirren Ideen nur so strotzt - dabei habe ich noch nicht mal alle Charaktere, die eine zentrale Rolle in diesem Meisterwerk spielen, genannt.
David Foster Wallace hat auf diesen knapp 1.600 Seiten eine eigene Welt geschaffen, eine Welt voller süchtiger, nach Aufmerksamkeit lechzender Menschen, deren Hauptgedanken um harte Drogen kreisen. Wir sind in einer Welt gelandet, die abgestumpft ist. Wie sagt Wallace in seinem Buch so treffend:
"Ja, ich bin paranoid, aber bin ich paranoid genug?"
Seine Charaktere sind in einem Strudel, einem Teufelskreis aus einer selbstzerstörenden Sucht gefangen, aus der es absolut kein entrinnen gibt. Oder doch?
Foster Wallace beschreibt die Seelenzustände seiner "kleinen, literarischen Kinder" mit einer Detaillgenauigkeit und einem Erfinungsreichtum, wie ich es von keinem zweiten Autoren bisher kennen lernen durfte.
Mal wird es in einem narrativen Ton beschrieben, schwenkt es plötzlich in harte Gossensprache um anschließend im folgenden Kapitel in eine vor Fremdwörtern nur so wimmelnden Sprache zu rutschen.
Der Autor verlangt von seinem Leser eine Menge ab. Dieses Buch liest sich nicht einfach so zwischen Tür und Angel, man benötigt Aufmerksamkeit, ein Fremdwörterlexikon und viel Zeit. Ich habe "Unendlicher Spaß" in gut 4 Wochen durchgelesen und habe nun Angst!
Angst vor neuen Büchern, denn dieses Buch hat mein Leserverhalten und meinen Anspruch an gute Lektüre mehr als verändert. Ich bin an diesem Buch gewachsen.
Teilweise erinnert diese realistische Schreibweise an einen Tatsachenroman, der von einem Drogenjunkie geschrieben wurde. Das Buch ist entlarvend, lakonisch und nekrotisch beklemmend.
(Seite 1398:) "Die Wahrheit macht dich frei! Aber vorher macht sie dich fertig!"
Mein Appell an Sie: Lassen Sie sich von diesem gigantischen Umfang nicht abschrecken, tauchen Sie ein ist die unendliche Welt vollem morbiden Spaß und Irrsinn. Ich muss ehrlich sagen, mich hat diese Buch süchtig gemacht, jede freie Minute, die ich zu Hause hatte, habe ich zum Lesen verwendet - das hat bisher kein Buch bei mir geschafft. Wagen Sie es, Sie werden es nicht bereuen!
P.S. Als kleine Unterstützung zum Lesen würde ich Ihnen begleitend empfehlen, die Website des Verlages zu dem Buch aufzusuchen, in der 20 Autoren über "Unendlicher Spaß" schreiben, teilweise zusammenfassend und teilweise interpretierend, was mir beim Lesen ungemein geholfen hat um Sachverhalte aus einem anderen Blickwinkel zu sehen oder einfach wieder in den Kopf zu rufen, den bei diesem Umfang an Seiten, Inhalt und Charakteren verliert man ganz schnell den Überblick!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spaß ohne Ende, 15. Oktober 2009
Vor allem gilt hier: nur nicht von der Kritik abschrecken lassen. Vergleiche mit Ulysses und ähnlichen "Meilensteinen der Weltliteratur" könnten einen glatt zu der Vermutung verleiten, dieses Buch sei nur für Akademiker ein Vergnügen. Ein folgenschwerer Irrtum, denn egal, was man von seiner Stellung in der Literaturgeschichte halten mag (die mir persönlich ziemlich egal ist), ist dieser Roman einfach ein großes (und umfangreiches) Lesevergnügen.
Ich würde jedem empfehlen, sich Zeit für die Lektüre zu nehmen, nicht nur, weil das Buch so lang ist, sondern vor allem, weil mehrere Geschichten parallel und nicht chronologisch erzählt werden. Sobald man denkt, man hätte raus, worum es geht, findet man sich unversehens in der seitenlangen Beschreibung der Lebensgeschichte einer völlig unbekannten Person wieder, die dann ca dreihundert Seiten lang auch nicht mehr auftaucht, und wenn,dann plötzlich nicht mehr als Hauptperson, sondern als Randfigur in einer anderen Geschichte. Zugegeben, da kann man schon mal den Überblick (und die Geduld) verlieren. Und was die Fußnoten angeht, kann ich jeden verstehen, der nach mehreren Seiten Lektüre in winziger Schrift, nach wildem Blättern zum Ende der Fußnote, um die Fußnote in der Fußnote zu finden und einem ungläubigen Blick auf den lapidaren Hinweis "Don't ask" zum Dank für all diese Mühen, den Impuls verspürt hat, das blöde Ding an die Wand zu schmeißen. Diese kleinen Scherze muss man dem Autor verzeihen können, wenn man sich hier amüsieren will. Ebenso, wie man darüber hinwegsehen muss, dass der Roman an manchen Stellen schon etwas von einem "alten" science fiction hat (er ist ja auch schon vor über zehn Jahren erschienen), so dass heute noch fantastische wissenschaftliche Entwicklungen manchmal auf die Technologie der 90er Jahre treffen (Mobiltelefone brauchen eine ausfahrbare Antenne, Computer haben keine Flachbildschirme- um zwei kleine Beispiele zu nennen).
Hundert Seiten lang war ich mir nicht sicher, ob ich den Roman beenden würde. Etwa zehn Tage lang war es meine einzige Freizeitbeschäftigung, dieses Buch zu lesen, und nicht einmal die Tennismatchbeschreibungen haben mich gelangweilt (was eigentlich schon alles über das Erzähltalent des Autors sagt). "Unendlicher Spaß" ist witzig, albern, satirisch, tiefgründig, spannend, originell, eindrucksvoll, traurig und unheimlich, wenn man sich vor Augen führt, wie nahe manche Beschreibungen der Lebensrealität des Autors kommen könnten. Was mich an dem Buch wirklich stört, ist die Tatsache, dass von den vielen angefangenen Geschichten keine zum Abschluss kommt. Das muss man natürlich nicht als Schwäche sehen. Trotzdem stellt sich wie bei oben genannter Fußnote das Gefühl ein, dass man für sein Durchhaltevermögen nicht grade belohnt wird. Man muss sich damit abfinden, dass hier der Weg das Ziel ist.
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