Kara Williamson kann es richtig krachen lassen. Wenn sie ihre kraftvolle Altstimme in frecher Nachlässigkeit über satte Gitarrenriffs reibt, klingt es, als würde Sheryl Crow den DC-Talk-Hit "Jesus Freak" covern ("Bring it on"). Kara kann aber auch mitreißend dynamische Pop-Nummern hinlegen. Betörend schickt sie dann ihre Melodien über die Achterbahn der wechselnden Rhythmen wie einst Gwen Stefani zu No Doubts Hoch-Zeiten ("Everything I need you are"). Leider gibt sie ihre Stimme aber auch für laue, langweilig laute Allerwelts-Arrangements her, die nicht schlecht und doch nichtssagend klingen ("Where you are"). Dass sie dabei unter ihrem künstlerischen Potenzial bleibt, zeigen die kreativeren Stücke.
In ihren Texten stellt sich Kara Williamson ihren Schwächen ("Undisguised") und gibt der inneren Schauspielerin den Laufpass ("Dear Performer"). Der immerzu vergleichenden und vortäuschenden Show-Mentalität möchte sie ein für allemal absagen. Dass ihre Haare auf dem Cover vor einer Wald-Fototapete wehen, entspricht daher wohl dem amerikanischen Verständnis ungeschönter Authentizität...
Zwischen allem modernen Mainstream-Poprock überrascht Kara Williamsons zweites Album aus dem Jahr 2005 mit einigen knackigen, musikalisch erfrischenden Ausnahmen, die Spaß machen (zum Beispiel "Everything I need you are" und "Love is for always") - vor allem, wenn man sie laut spielt...