Vladimir Makanin wurde 1938 in Orsk am Ural geboren, lebt aber in Moskau. Im Gegensatz zu den Vertretern der Dorfprosa wie Valentin Rasputin schildert er ausschließlich urbanes Leben. Dabei gehört seine Liebe den Randständigen und Unangepassten. Charakteristisch hierfür ist etwa der Roman „Der Wunderheiler", der in der DDR „Der Wunderdoktor" hieß. Seine Werke sind Versuchsanordnungen, in denen Figuren wie Ratten im Labyrinth herumlaufen. Die Schöpfung ist defekt, Gott abwesend oder desinteressiert, die Gesellschaft und das Individuum sind Gegensätze.
Makanin erlebte mit dem Ende der SU einen Tiefpunkt seiner Karriere: Er schrieb erzpessimistische Werke wie „Das Schlupfloch". Hierin versucht ein Intellektueller vergeblich, sich zu seinen Kumpanen in eine Höhle im Untergrund durchzubaggern. Hier ruht der Nukleus zum neuen Roman. Dann wurde „sein" Verlag, der Neue Malik verkauft, und lange wurde M. nicht übersetzt.
Jetzt feiert er ein fulminantes Comeback, eine Art Kompendium des russischen Gegenwartslebens und -denkens.
Stets webt M. ein dichtes Netz literarischer Bezüge, so auch hier. Hier sind es unter anderem Lermontow (von dessen Klassiker der Untertitel entlehnt wurde), Dostojewskij, Vladimir Sorokin (Die Schlange), Martin Heidegger u.v.a.
Ein weiteren Bezugspunkt stellt unausgesprochen Lesages Roman „Der hinkende Teufel" dar. Der Teufel ist ein Detektiv (detegere - lat. abdecken). Er deckt die Häuser ab und schaut in die Wohnungen der Menschen. M.s Held Petrowitsch tut das auch. Er ist „house sitter" und darf daher überall hineingucken. Das Wohnhaus, in dem er seiner Arbeit nachgeht, ist ein Labyrinth, wie er es schon in früheren Werken geschildert hat.
Im Laufe der Jahre begegnen ihm so mehr als ein halbes Hundert Menschen mit Namen, Beruf, Schicksal. Mosaikartig setzt sich so ein Bild des heutigen Russland zusammen.
Kein süffiges Easyreading, das nicht. Aber die fesselnde Wiederauferstehung eines Erzählers mit hochauflösender Beobachtungsgabe, ein hochintellektuelles Werk und ein historisch-politisch-soziographisch höchst aufschlussreiches dazu. Wer die russische Literatur kennt und liebt, muss es unbedingt lesen!