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In dem Eröffnungsstück "21 Things I Want In A Lover" zählt Morissette ihre Vorlieben und Abneigungen auf, bevor es zu einem dröhnenden Ausbruch von Gitarrenakkorden und zu einem kratzigen HipHop Beat kommt. Der emotionale Ablauf von Under Rug Swept wird von Morissettes stimmlichem Potenzial gesteuert: der tiefere Bereich begleitet Konfrontation und Selbst-Verliebtheit ("Narcissus"), der höhere drückt Verletzlichkeit und Nachdenklichkeit aus ("Utopia"). Jeder Ton wird durch gekonnt gemischte elektronische und akustische Elemente belebt.
Der Haken hierbei ist wie bereits bei ihren zwei vorherigen Alben, dass Under Rug Swept von ungekürzten inneren Monologen belastet wird. Ihre schwerfällige Syntax und ihre überdrehte Ausdrucksweise belastet eine Musik, die ansonsten melodiös und faszinierend ist. Sie ist und bleibt extrem von sich selbst überzeugt und liefert Beschimpfungen auf Männer, die so extrem voller Macken sind und selbstverständlich auf ihre unwiderstehliche Weise verheerende Wirkung erzielen. Zur Zeit liegt ihre größte Stärke als Musikerin in ihrem Gespür für eine zündende Melodie. Was die Texte angeht, so wäre sie gut beraten, wenn sie ihre überdrehte Prosa im stillen Kämmerlein für sich behalten würde. --Beth Massa
"Dynamisch, abwechslungsreich, unverblümt und direkt", so kennt man die Kanadierin Alanis Morissette, die - neben vielleicht noch "Rage against the machine" - mit den Begriff "gefühlsaggressiv" Alben füllen kann. Dass sie das und noch viel mehr drauf hat, stellt sie auch mit ihrem neuen, besonders gelungenen Album "Under Rug Swept"(zu deutsch: Unter den Teppich gekehrt) wieder unter Beweis.
Von der Wunschliste für künftige Liebhaber ("21 Things I Want In A Lover") geht es an die Beschreibung selbstverliebter Mitmenschen ("Narcissus") und vordergründiger Saubermänner ("Hands Clean", aus dem Text dieses Liedes ist der Albumtitel und es ist die erste Single-Auskopplung der CD), dann hinüber zu den emotionalen Balladen "Flinch" und "So unsexy", weiter zu gewohnt rauen Strophen bei "Precious Illusions", dem traurigen "That Particular Time" und steigert sich mit "A Man" zum Rock.
"You Owe Me Nothing" und "Surrendering" sind solides und überaus hörbares Morissette-Material, der Sorte, wie man es auf Ihrem (echten) Debutalbum "Jagged little Pill" findet. "Utopia" zuletzt zeichnet in vorsichtigen Akkorden und Worten den zerbrechlichen Traum von einer perfekten Welt.
Wem das letzte Alanis-Album "Supposed Former Infatuation Junkie" gefallen hat, aber dort die rockigen Elemente vermisste, wie sie u.a. bei "Joning You" nur spärlich anklangen, der wird dieses neue Polycarbonat in CD-Player heißlaufen lassen. Die Zusammenarbeit mit Mitgliedern der "Stone Temple Pilots" ("Plush") und er Roten Heißen Chillischoten ("Red Hot Chilli Peppers", "Give it away") hat mehr musikalischen Umfang und Abwechslung in das Album gebracht und der Gesamtkonzeption hörbar gutgetan. Gepaart mit der phänomenalen Ausdrucksstärke in den so alanis-eigenen Worten und Gefühlen, den Klavier- und Gitarrencords, entstand hier ein musikalisches Meisterstück. Wie keine Zweite versteht es Alanis Morissette Gefühle auf den Hörer zu übertragen, ohne dass Peinlichkeit entsteht. Ganz unverkrampft, glaubhaft und wahr.
Ich könnte auf "Supposed Former Infatuation Junkie" in meiner Auswahl der 10 besten Alben aller Zeiten ("High Fidelity") verzichten, aber auf diese CD müsste ich bestehen!
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