Nach den ersten Seiten dachte ich noch bei mir: Toll, das könnte das bislang beste Werk von King sein.
Positiv am neuen Werk: Er verzichtet auf blutrünstigen Horror und setzt wieder mehr auf subtiles Grauen. Die Geschichte entwickelt sich langsam, die Stadt samt Einwohner werden vorgestellt. Penibel schildert er die Kräfteveränderungen in der Kleinstadt, quasi ein Mikrokosmos, welcher nach Eintritt der Katastrophe vom Stadtrat samt Polizei und Schergen regiert wird.
Negativ: Die Länge! 870 Seiten des amerikanischen Originals bedeuten mindestens 300 Seiten zu viel, zwischendrin kommt einfach Langweile auf. Denn: Die Charaktere sind eindimensional. Die Bösen sind einfach böse, die Guten sind einfach gut. Es gibt keine Überraschungen, es passiert einfach nix. Über 800 Seiten kommt "The Dome" auf die Stadt hernieder, die Bevölkerung und das Militär suchen nach einem Ausweg - das war's auch schon mit der Handlung. Dass der Befreiungsschlag des amerikanischen Militärs - irgendwo bei Seite 300 - fehlschlägt, war ja wohl klar, da noch 500 Seiten auf den Leser warteten, also auch hier gepflegte Langeweile.
Es fehlt einfach dieses subtile unterschwellige Grauen wie z.B. in "Needful Things" oder in "Christine", es fehlten die überraschenden Wendungen. Dazu kommt noch verschärfend, dass einer unserer Helden, der Irakveteran "Barbie", eine blasse, langweilige, uninteressante Gestalt ist und dass der ganze American Way of Life zwar explizit geschildert wird, aber die Handlungsweise der Hauptakteure irgendwie Ratlosigkeit zurückläßt: Wie glaubt unser böser aber extrem fromm auftretender Oberstadtrat und Oberbösewicht die Stadt in ein paar Wochen zu regieren, wenn keine Lebensmittel, kein Wasser, kein Gas - und keine saubere Luft - mehr vorhanden sind? Die Leute leben vor sich hin wie immer, fahren auch noch weiterhin fleißig mit den Autos zu Versammlungen und scheren sich einen Dreck um die täglich schlechter werdende Luft... Dazu passt folgender Satz nach einem Fehlschlag des Militärs: "Wenn die technologisch am weitestens entwickelte Supermacht (= USA) die Kuppel nicht beseitigen kann...." Tja, der Glaube an die wirtschaftliche und technologische All- und Übermacht der USA ist halt zumindest in den USA immer noch allgegenwärtig.
Die Auflösung, die ich natürlich hier nicht verraten möchte, war leider auch nur recht 08/15 und wenig überraschend - ich erzählte zwei Bekannten vom Buch und der Auflösung und beide reagierten enttäuscht: Was? Das war's?
Zusammengefaßt: Eines der besseren Werke von Stephen King - gottseidank beherrscht er auch noch die subtilen, leiseren Töne. Das Buch wäre, gekürzt, auch um einiges spannender und flüssiger zu lesen. Aber leider fehlen Überraschungen und ein packendes Ende. Seine Kurzgeschichtensammlung "Just after Sunset" gefiel mir hier besser, da er hier auf wenigen Seiten der Novellen Spannung aufbaut, und das fehlt hier im dicken Wälzer einfach.
Fazit: Lesenswert, aber nicht der ganze große Hit. Wird aber sicherlich von Hollywood verfilmt - hoffentlich mit Schwerpunkt auf "Subtil" und nicht auf Explosionskino à la 2012.