Nach drei vorallem in Europa zunehmend erfolgreichen Studioalben (Boy, October, War; 1980-83) von dem Gedanken beseelt, nun auch die USA zu erobern, entschlossen sich U2 zu der selben cleveren Strategie, die bereits David Bowie 1973/74 so erfolgreich angewandt hatte. Nämlich nicht als Neulinge von unten anzufangen, sondern sich in den USA bereits gleich als die Superstars zu präsentieren, die sie erst werden wollten. Was fatal daneben gehen hätte können, erwies sich als goldrichtig: U2s Auftritt (und vorallem die MTV-Übertragung) ihres 1983er Konzerts in Red Rocks bescherte ihnen den ersehnten Durchbruch, die Live-LP Under A Blood Red Sky wurde ein Hit und diente für viele US-Amerikaner als verspätete Einführung in U2s Schaffen bis 1983, eine Art Best Of der ersten 3 Alben. 25 Jahre später lässt sich dieser Erfolg gut nachvollziehen. Während die frühe Studio-trilogie soundmässig extrem schlecht gealtert ist, vermögen die energetisch gespielten Liveversionen auch heute noch eine Idee davon vermitteln, wie mitreissend U2s Sturm & Drang-Rock in einer von Synthie-Pop Bands dominierten Zeit gewirkt haben muss. Genauso richtig war auch die Entscheidung nur einige wenige Songs (darunter natürlich Sunday Bloody Sunday" und New Year's Day") als nur 40-Minuten dauerndes Minialbum zu veröffentlichen, wie das dieser schicken Deluxe-Edition beiligende komplette und sehr viel weniger kompakte Live At Red Rocks Konzert belegt, dessen herausragende Qualität im übrigen darin besteht, sehr starke Indizien dafür zu liefern, dass es niemals in der Geschichte der Menschheit scheusslichere Frisuren und Mode gegeben haben kann als in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts.