Der Plott des Romans - wie immer eine Geschichte aus mehreren Ebenen, die sich geschickt und unerwartet miteinander verbinden - ist gut, aber nicht unbedingt herausragend in der Krimi-Perlen-Reihe der Autorin. Auch ist dieses Buch zum Teil witziger als die vorhergehenden Werke. Verdienstvoll auch, daß Constable Nkata, ein Mitarbeiter von New Scotland Yard, eine größere Rolle spielt. Es gibt im Zusammenhang mit einem wesentlichen Detail der Morde allerdings eine gewisse Unlogik, die, wäre sie aufgelöst worden, die "Belehrung" Inspector Lynleys (damit eine wesentliche Ebene des Plotts) verhindert hätte. Die wahre Schwäche des spannenden und mit guten Hintergrundinformationen belegten Romans liegt aber in der Person des Inspectors. Man fragt sich langsam, wie er es aushält, ständig persönlich in seine Fälle involviert zu sein. Mehr noch billigt ihm die Autorin keinerlei Lernfähigkeit zu. Er müßte nach all seinen Fällen endlich gelernt haben, daß nichts nur schwarz oder weiß ist! Er müßte seine Selbstgerechtigkeit, gepaart mit ständiger Schuldverstrickung durch seine häufig unpassende Emotionalität, doch längst durchschaut und im Griff haben. Die Art, wie er hier mit seiner Partnerin und mit seiner Frau umgeht, beweist aber das Gegenteil. Das macht das Lesen etwas mühsam. Persönlich schwankte ich in meiner Zuneigung stets zwischen Lynley, der Lichtgestalt, und St. James, dem düsteren Helden, seinem besten Freund. Inzwischen stehe ich eindeutig auf der Seite des Wissenschaftlers. Und für weitere Romane hoffe ich, daß Barbara Havers, die kongeniale Partnerin Lynleys, und Helen Lynley sich stärker profilieren können und weniger als Stichwortgeberinnen für Seine Lordschaft fungieren. Für EinsteigerInnen in die Romanwelt der George ist dieser Roman eher nicht geeignet, da man einige Details besser versteht, wenn man die vorherigen Bücher von ihr kennt (vor allem "Mein ist die Rache"). (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)