2009 jährt es sich zum 20. Mal, dass mit dem Fall der Berliner Mauer ein ganzes Zeitalter zu Ende ging. Viele Bücher werden dazu in diesem Jahr veröffentlicht werden, auch viele kontroverse Auseinandersetzungen über den wahren gesellschaftlichen und politischen Charakter der untergegangenen DDR haben schon begonnen.
Da ist es gut und richtig, wenn einer der wichtigsten Initiatoren jener "Revolution, die aus der Kirche kam" ( was man heute schon wieder vergessen hat) gleich zu Beginn des Jahres mit seinen Lebenserinnerungen zu Wort kommt.
Christian Führer, Pfarrer an der Nikolaikirche in Leipzig hat die Friedensgebete initiiert, die den kleinen, dann aber immer gewaltiger werdenden Auftakt bildeten zu den Montagsdemonstrationen in Leipzig, die wiederum Vorbild wurden für Demos in vielen anderen Städten der DDR und von denen die friedliche Revolution in der DDR ihren Ausgang nahm.
Er beschreibt sein Leben und seine Rolle während der bewegenden Monate der gesellschaftlichen Umwälzung in der DDR; er tut es unprätentiös und die eigene Rolle nicht betonend. Denn:
"Es ist keine Erfolgsgeschichte, sondern eine Glaubensgeschichte, die mit meiner Herkunft, meiner Familie, der Kirchgemeinde und allen Menschen, die mich auf dem schweren und schönen Weg begleiteten, untrennbar verbunden ist. Der Bibel verdanke ich, dass ich mit Wundern groß geworden bin. So begriff ich, dass mehr möglich ist, als möglich ist. Und erlebte selbst das Wunder der Friedlichen Revolution. Wie sagt Ben Gurion: 'Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.'"
Christian Führers Glaubensgeschichte steht stellvertretend für die vielen Zehntausend ungenannt bleibenden, die ähnlich wie er in den Kirchengemeinden der DDR dazu beigetragen haben, dass eine Kultur überleben konnte, aus der heraus die friedliche Revolution wachsen konnte, eine Revolution, die die Welt veränderte.