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Und wer therapiert die Therapeuten?
 
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Und wer therapiert die Therapeuten? [Gebundene Ausgabe]

Eva Jaeggi
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 227 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 3., Aufl. (2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608940278
  • ISBN-13: 978-3608940275
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13,4 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 179.172 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Eva Jaeggi
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ist die Psychotherapie heutzutage noch in der Lage, ihre Aufgaben auszuführen? Mit provozierenden Fragestellungen und einer Portion Humor und Selbstironie schildert Eva Jaeggi die psychotherapeutische Tätigkeit in all ihren Facetten. "Wer Jaeggis Buch gelesen hat, versteht, was in der Psychotherapie und den Therapeuten selbst abgeht." Die ZEIT

Der Verlag über das Buch

»Eva Jaeggi rechnet nicht mit der Kollegenschaft ab, sondern versucht zweierlei: den Therapeuten mit der Gesellschaft zu versöhnen, und, was wesentlich schwieriger ist, den Therapeuten mit sich selbst zu versöhnen.« Berliner Zeitung

»Ein informatives Buch, besonders geeignet für Leser, die sich nicht in psychotherapeutischer Behandlung befinden.« bild der wissenschaft

»Wie alles von Eva Jaeggi, so ist auch dieses Buch flüssig geschrieben, sehr angenehm zu lesen und vor allem lesenswert.« report psychologie

»Hoch interessante und auch für Laien gut verständliche Lektüre.« Saarländischer Rundfunk

»Eva Jaeggi war immer mehr als eine Psychologieprofessorin: eine Grenzgängerin zwischen der psychologischen Praxis und der Forschung. Sie hat sich eine schöne Neugier ebenso erhalten wie kritische Distanz. Sie kann anschaulich schreiben.« Wolfgang Schmidbauer in der ›Zeit‹ -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
38 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Wer sind die, die anderen therapeutische Hilfe anbieten? Warum machen sie das? Und können sie mit Problemen besser umgehen als ihre Klienten? Oder sind sie am Ende auch nicht "gesünder" als ihre Klienten? Freud hat sich mit dieser Frage auch schon beschäftigt und ist zu einem durchaus pessimistischen Resumee gekommen: "Es ist unbestreitbar, dass die Analytiker in ihrer eigenen Persönlichkeit nicht durchwegs das Maß von psychischer Normalität erreicht haben, zu dem sie ihre Patienten erziehen wollen." Direkter formuliert es mancher volkstümliche Spruch: "Lehrers Kinder, Pfarrers Vieh, gedeihen selten oder nie." Oder der Satz vom Schuster, der selbst immer die schlechtesten Schuhe hat.

Schmidbauer hat sich in mehreren Büchern mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Eva Jaeggi bewegt sich auch in diesem Fahrwasser und hat in einem groß angelegten Forschungsprojekt mit ihren Diplomanden Motive, Ideale, Erfahrungen, Wertvorstellungen, Privatleben, Ausbildung, Berufszufriedenheit und psychische Belastungen der Therapeuten untersucht. Das hat ein Dutzend Diplomarbeiten ergeben, die wiederum die Grundlage für Jaeggis Buch darstellen. Ergänzt hat sie diese Basis durch persönliche Erfahrungen aus jahrzehntelanger therapeutischer Tätigkeit sowie durch Aufarbeitung der einschlägigen Literatur. Herausgekommen ist dabei ein gut lesbares Buch, das durch die viele Interview Zitate einen sehr persönlichen Eindruck vom Therapeuten Dasein vermittelt.

Schmidbauers Arbeiten haben das "Helfersyndrom" ergeben. Ich denke, Jaeggis Arbeit weist auf ein weiteres therapeutisches Sydnrom hin, das ich das "Als-Ob-Syndrom" nennen würde. Jaeggi zeigt nämlich eindrücklich, dass es eine tiefe Kluft zwischen therapeutischem Ideal und therapeutischer Wirklichkeit gibt und dass die Therapeuten selbst ihrem Ideal kaum entsprechen: "Die berichteten Zahlen über schwere psychische Störungen (während Ausübung des Berufes) variieren: 73% schwere Angststörungen, 58% Depression (...), 82% schwere persönliche Probleme infolge Beziehungsschwierigkeiten, 11% Süchtige, 2% Suizidversuche." Resumee: Die psychische Gesundheit von Therapeuten ist nicht besser als die der Normalbevölkerung, eher schlechter. Und zwar nicht vor, sondern nach den langjährigen Lehrtherapien! Das ist natürlich nur schwer bewusstseinsfähig. Denn im Gegensatz zu so vielen anderen Berufen, soll es ja gerade die Persönlichkeit des Therapeuten selbst sein und seine "Beziehungsgestaltung", die den eigentlichen therapeutischen Effekt ausmacht. Deshalb wird bizarrerweise gerade in den Lehrausbildungen, in den Supervisionen und Intervisionen gelogen und geschummelt, geschönt und geradegebogen was das Zeug hält. Dadurch unterscheidet sich die therapeutische Medizin von der organischen Medizin und dadurch rückt der Therapeut in die Nähe des Seelsorgers, des Pastors. Es ist wohl kein Zufall, dass der Pastor hier mit ähnlichen Problemen kämpft.

In der Diagnose des Problems gehe ich mit Jaeggi konform, nicht aber im Lösungsvorschlag. Sie schlägt nämlich allen Ernstes eine Spaltung des Therapeuten vor, in einen professionellen Helfer, der so tut "als ob" er die therapeutischen Ideale leben könnte und einen privaten Menschen, der ebenso hinfällig und schwach ist wie alle anderen auch. Dazu bedient sie sich Diderots Bild vom "Paradox des Schauspielers": "Die Vorbildfigur - so meine freche These - für den Psychotherapeuten ist nicht die des real beziehungsfähigen Menschen, sondern es ist die des Schauspielers." Die Verstellung dürfe aber vom Patienten nicht durchschaut werden, denn dies würde den Therapieerfolg gefährden.

Psychotherapie als Schmierenkomödie? Der eine, der Therapeut, tut so, "als ob" die Ideale erreichbar wären und der andere, der Klient, tut so, "als ob" er versuchen würde, sie zu erreichen. Dabei wäre auch eine andere Lösung denkbar. In Jaeggis Buch ist sie zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn sie etwa darauf hinweist, dass die humanistischen Ideale oft von moralischen Zwängen überladen sind. Denn das ist natürlich der Selbstbetrug der Authentizität, wenn nur das als authentisch gilt, was zugleich edel, gut und rein ist. Oder wenn sie ausführlich Yaloms "Rote Couch" bespricht. Denn Yalom schlägt einen durchaus anderen Weg ein: Weg vom "als ob" des Therapeuten, hin zu einer wirklich authentischen Begegnung. Das ist natürlich eine Gratwanderung, voller Gefahren und Untiefen. Mit anderen Worten: Die Alternative zur Schmierenkomödie wäre die Entschlackung des Humanistischen vom Moralischen. Jung hat das in seinem wunderbaren Satz formuliert, dass es in der Therapie nicht darum geht, eine Neurose loszuwerden, sondern zu lernen, mit ihr zu leben. Ich denke, dass nämlich gerade die Verstellung den Therapieerfolg gefährdet und zwar bei beiden, beim Therapeuten und beim Patienten.

Trotz dieser Einwände halte ich Jaeggis Buch für ungeheuer wertvoll. Mutig legt sie den Finger auf genau die wunden Punkte, die in den Ausbildungen meistens schamhaft übergangen werden. Und wer weiß, vielleicht ist in der "als-ob" Frage noch nicht das letzte Wort gesprochen.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helena
Format:Taschenbuch
Eine Warnung zu dem Buch lautete: "Nur für Leute, die sich derzeit nicht in Therapie befinden." Das hat mich, derzeit in Therapie, eher neugierig gemacht als abgeschreckt. Ich fragte mich: Was denkt mein Therapeut über sich, über seinen Beruf und die Arbeit mit uns, seinen Patienten? Wie redet und fühlt man in der Berufsgruppe "Psychotherapeut"? Und was für einen Stellenwert misst man uns Patienten bei?

Das Buch ist bei weitem nicht das einzige aus Therapeuten-Sicht, welches ich in den vergangenen Monaten gelesen habe, aber doch mit einigem Abstand das Deprimierenste. Besonders die Kapitel 7 und 8, in denen es um die therapeutischen Selbstzweifel und das durchaus verständliche Phänomen des Burnout geht, sind für einen Patienten schwer verdaulich. Wünscht er sich doch, in seinem Therapeuten die Stabilität und Lebensfreude zu finden, die ihm (derzeit) abhanden gekommen ist. Ansonsten war ich auch entsetzt zu erfahren, wie groß der Twist zwischen den Therapieschulen anscheinend ist - und wie negativ das (Selbst-)Bild des Berufsstandes.

Überhaupt ist das Buch von einer eher pessimistischen Note durchzogen, die ich als Außenstehender doch fast etwas übertrieben finde. Ich komme aus der IT-Branche und kann meinem Job am Schreibtisch, der mich wie in einer Kopffixierung den ganzen Tag auf einen Monitor starren lässt, auch wenig abgewinnen und sehne mich nach Abwechslung: Zum Beispiel nach intensiver Arbeit mit Menschen. Aber ich würde deshalb noch nicht die IT-Branche oder gar meine Berufsgruppe dafür verantwortlich machen - so wie es die Autorin bzw. viele der interviewten Therapeuten mit ihrem Beruf anscheinend tun. Da wird der Grund des Elends allzu sehr im Berufs- und zu wenig im Persönlichkeitsprofil der Therapeuten selbst gesucht, auch wenn die Autorin dies durchaus andenkt. Ich frage absichtlich provokant: Wo ist denn der Pragmatismus und die Kreativität geblieben? Auch hier gibt die Autorin einen Hinweis zwischen den Zeilen: Kann es die in der Berufsgruppe besonders relevante Narzissmus-Problematik sein, die dazu führt, dass Therapeuten sich anscheinend auch gerne selbst überlasten?

Bei manchen Interviewten zeigt sie sich der verantwortungsvolle Umgang mit sich dann aber dann doch wieder: Nachdem die reine "Arbeit am Menschen" nach den euphorischen Anfangsjahren - verständlicherweise - einigen Therapeuten dann doch zu viel wurde, nahmen diese ihr Leben in die Hand und gestalteten es ressourcenschonender: Sie geben Coachings oder Kommunikationsseminare und stellen uns Patienten eben nur so viel Therapie-Lebenszeit zur Verfügung, wie es sich für sie gut anfühlt.

Ich als Patientin hoffe jedenfalls, dass dieses Buch nicht die Mehrheit der derzeit aktiven Therapeuten beschreibt. Lesenswert ist es aber allemal. Nur vielleicht eben doch nicht für jeden Patiententyp.
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37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein wichtiges Buch 15. Oktober 2002
Format:Gebundene Ausgabe
Eva Jaeggi hat hier ein wichtiges Buch vorgelegt.
Kenntnissreich und in großer Offenheit beschreibt sie die "Eingenheiten" eines Berufstandes.
Zugleich zeigt sie die immer wiederkehrenden persönlichen Motive die zur Berufswahl führen, ihre Chancen und Gefahren, sehr nachvollziehbar auf.
Dieses fundierte Buch wäre sicher eine Bereicherung für die Literaturlisten einer jeden therapeutischen Ausbildung.
Vieleicht sollte es sogar das erste Buch sein, das man/frau liest, wenn der Wunsch Therapeut zu sein, entsteht.
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