Die beiden bei Publik Forum beschäftigten Autoren thematisieren die gegenwärtige Praxis vieler kath. (Erz-)Bistümer, die kirchliche Landschaft neu zu gestalten und stellen vor diesem Hintergrund die wirkliche bzw. behauptete Finanznot der katholischen Kirche dar.
Das Buch informiert sehr umfassend (soweit man den veröffentlichen Haushalten glauben kann) über die faktische Finanzsituation der katholischen (Erz-) Bistümer und die beängstigend gleichlautenden Rückwärtsstrategien der Kirchenbehörden: Laientheologen werden ausgesondert, die alte Klerus-Kirche neu etabliert, Demokratieansätze zurückgedrängt und ungeliebte soziale / kulturelle Aktivitäten beendet . Den Spitzen der Kirchenverwaltung wird noch mehr Macht zuschanzt - die kirchliche Variante einer Umverteilung von unten nach oben. Aufgezeigt wird dies ausführlicher an den beiden Bistümern Aachen und Essen.
Merkwürdig ist, dass ein weiterer Fall/Typ des kirchlichen Finanzzusammenbruchs, der des Erzbistums Berlin, nicht gleichermaßen in die Analyse einbezogen wurde.
Aufgelockert wird das gut lesbare Buch durch mehrere Interviews auch mit Fachleuten, die die kirchliche Situation von außen beobachten (Carsten Frerk, Politologe und Publizist, Renate Richter, Fachreferentin bei ver.di, Gernot Mittler, ehem. Finanzminister Rheinl.-Pfalz.) Es kommen allerdings keine der vielen kritischen Stimmen aus binnenkirchlicher Sicht zu Wort, ja diese werden nicht einmal erwähnt. Selbst vom gleichen Verlag publizierte Alternativvorschläge (Pfr. K.Martin, Abschied von der Kirchensteuer, Oberursel 2002) war keiner Erwähnung wert.
Der Titel des Buches selbst bleibt auch nach der Lektüre erklärungsbedürftig, der reißerische Untertitel führt sogar eher in die Irre. Das vermutlich einzige publik gemachte "Geheimnis" der katholischen Finanzpolitik scheint in der Mitteilung zu liegen, dass es "Einnahmen und Vermögen des sog. Bischöflichen Stuhls" gebe. Belegt wird diese Behauptung allerdings nicht, auch nicht, ob alle Bistümer über einen solchen Schatz verfügen und wie groß dieser wohl ist.
Die Angaben zu Literatur und Adressen/Kontakte/Links sind so gestaltet, dass Gewichtiges und Belangloses nebeneinander steht. Ein Kriterium für die jeweilige Auswahl ist kaum zu erkennen.
Die Autoren haben im Buch selbst durchgängig auf Belege verzichtet. Das erleichtert zweifellos die Lektüre des Buches. Andererseits warten sie mit ziemlich halsbrecherischen Zahlenangaben auf, für die man schon gern einen sicheren Beleg hätte: Mehr als 2,1 Mrd. Euro haben die deutschen Bistümer zwischen 1996 und 2000 für den Erhalt ihrer Kirchengebäude ausgegeben" (S.72) Abgesehen von der Tatsache, dass zu der Zeit noch die DM galt, muss eine solche Angabe auf einer immensen Recherche beruhen.
Das aus spürbar lebendigem kirchlichen Engagement geschriebene Buch zielt auf das an der Kirchenbasis aktive Publikum. Die Appelle an "die Kirche" allerdings, Änderungen herbeizuführen, bleiben diffus, weil mal die einzelne Pfarrei, mal das Bistum, mal die Weltkirche gemeint ist. Der Abschnitt "Was tun?" lässt die LeserInnen vollends ratlos zurück: Es wird empfohlen: "Visionen gemeinsam zu entwickeln". Konkrete Handlungsperspektiven oder auch nur kleine Schritte werden nicht reflektiert.
Am Mut, wirklich einschneidende Handlungsstrategien vorzuschlagen oder bereits bekannte klar zu unterstützen, hat es den ansonsten couragierten Publik Forum - Redaktionsmitgliedern offensichtlich gefehlt.
Friedrich Halfmann, 2. Vors.
Verein zur Umwidmung von Kirchensteuern e.V.