Commissaris van Leeuwens erster Fall "Und vergib uns unsere Schuld" erzählt uns oberflächlich betrachtet die Auflösung der Morde an zwei Jugendlichen, der Autor Claus Cornelius Fischer sagt uns aber so viel mehr als das.
Commissaris van Leeuwen ist 54, kinderlos und lebt mit seiner schwer kranken Frau in Amsterdam. Sein Beruf ist für ihn nicht nur Beruf sondern Bestimmung. Während er den unheimlichen, grausamen und bestialischen Mord an einem vierzehnjährigen Jungen untersucht, wird die private Belastung durch den zunehmenden Verfall seiner Frau zunehmend schwieriger zu tragen und beginnt seine beruflichen Aktivitäten zu beeinflussen und einzuschränken. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass Commissaris van Leeuwen eine schwerwiegende Entscheidung in seinem Privatleben treffen muß. Tappt der Commissaris mit seinen Ermittlern nach dem ersten Mord noch im Dunkeln, führt ihre Spur nach dem zweiten gleichartigen Mord zu dem leidenschaftlichen Anthropologen Josef Pieters, der sein Leben der Erforschung eines aussterbenden Kannibalenstammes in Papua-Neuguinea gewidmet hat und für den Nobelpreis nominiert ist.
Einen Krimi mit der Hauptfigur eines auch privat schwer belasteten Ermittlers, scheint zunächst nicht ungewöhnlich und erinnert an die zum Teil sehr düsteren skandinavischen Krimis. Glücklicherweise überrascht uns aber Claus Cornelius Fischer mit einem Ermittler, der zwar in einer sehr schwierigen Situation befindlich ist, der aber aufgrund seines Charakters nicht permanent in düsteren Gedanken versinkt. Im Umgang mit den Mitmenschen kann er, wenn es notwendig ist oder seine Emotionalität durchschlägt auch laut, kauzig und grob werden, aber er steht vor und hinter seinen Mitarbeitern, er spürt ihre Probleme und zeigt dafür Verständnis und er liebt seine Frau, deren Verfall ihre Beziehung auflöst, und zeigt sich zumeist geduldig. Die private Situation von Commissaris van Leeuwen macht etwa die Hälfte des Romans aus, dennoch ist insbesondere die Auseinandersetzung mit der Krankheit von Leeuwens Frau so gelungen dargestellt und so spannend, dass das Interesse an dieser Seite der Geschichte das Interesse am Kriminalfall durchaus von Zeit zu Zeit übersteigen kann.
Der Kriminalfall selbst ist exotisch und spannend erzählt, der Fokus liegt dabei mehr in der Ergründung der Tätermotive als in der Suche nach dem Täter, da sich die Spur zum Täter schon sehr früh erhärtet.
Das verbindende Element zwischen dem Kriminalfall und der privaten Situation des Ermittlers ist die Frage der Schuld. Was ist Schuld und wie ist Schuld zu bewerten, wenn kein Bewusstsein über die Schuld vorhanden ist? Eine Frage die Commissaris van Leeuwen beschäftigt und zu einer inneren philosophischen Auseinandersetzung führt.
Claus Cornelius Fischer erzählt uns die Geschichte in einer flüssigen Sprache, die im Rahmen der Ermittlungen eher sachlich und nüchtern ist, bei den Gedanken des Ermittlers aber teilweise poetisch wird und mit schönen Metaphern durchsetzt ist.
Mit Commissaris van Leeuwens erstem Fall "Und vergib uns unsere Schuld" ist Claus Cornelius Fischer ein intelligenter, spannender Kriminalroman der besonderen Art gelungen, der mit einem sympathischen, charakterstarken Ermittler aufwartet, die Auseinandersetzung mit einer schweren Krankheit fühlbar macht und einen exotischen Kriminalfall beinhaltet. Ein Kriminalroman der nicht so schnell in Vergessenheit gerät und mich sehr beeindruckt zurück ließ. Ich hoffe bereits auf einen zweiten Fall von Commissaris van Leeuwen.