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Produktinformation
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Große Kunst verlangt bekanntlich Opfer. Ob dies allerdings die Anzahl an Personen meint, die im Umfeld der alles verschluckenden Lichtgestalt Picasso aus Mangel an Luft und Liebe eingingen, indem sie den Freitod wählten oder in die Schwermut flüchteten, ist fraglich. Marina Picasso, Enkelin von Olga Kokhlova, der ersten Frau des Jahrhundertmalers, bestürmen selbst als Erwachsene noch Angstattacken, wenn sie nur an die Besuche an der Hand des Vaters beim dämonischen Opa in dessen südfranzösischer Malerfestung La Californie denkt.
Schon Großmutter Olga hatte sich nach Picassos Liebesentzug umgebracht, Marinas Vater Pablo, ein einziges Angstbündel angesichts des rigiden Alten, setzte wenig später seinem Leben ein Ende, sein Sohn Pablito, Marinas Bruder, folgte ihm nach. Eine wahrhaft satanische Familiensaga, in der Marina zwar etwas pathetisch vom "Würgegriff eines Genies" berichtet, das "ständig neues Blut benötigte, um seine Werke zu signieren", die aber dennoch die Frage nach dem menschlich hohen Preis jeglichen Machtgebarens aufwirft.
Ein Gutes hatte die Sache am Ende vielleicht doch noch. Humanistisch geschult am brutal egozentrischen Beispiel des Großvaters, gründete die inzwischen 50-Jährige in Vietnam ein Dorf der Jugend sowie mehrere Waisenhäuser, wofür sie 1996 mit dem Albert-Schweitzer-Preis ausgezeichnet wurde. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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In äußerst ärmlichen Verhältnissen und in einer Welt seelischer Kälte wächst sie gemeinsam mit ihrem geliebten Bruder Pablito auf. Ihr Vater Paulo, Sohn aus der Ehe Picassos mit der russischen Tänzerin Olga Kokhlova, verlässt früh seine Familie. Ihre Mutter, unter psychischen Aussetzern leidend und nur um ihr eigenes Selbst kreisend, ist auf die gelegentlichen und dürftigen Almosen angewiesen, die Paulo bei seinem Vater erbetteln muss. Tief trifft Marina der frühe Tod ihres Bruders Pablito, der unmittelbar nach dem Tod des Großvaters Selbstmord begeht. Sie sieht Pablito und ihren stets gedemütigten, lebensunfähigen Vater, der 54jährig stirbt, ebenso wie sich selbst als Opfer des "Systems Picasso".
Marina Picasso vermag sich erst nach langer Therapie von der Last ihrer Vergangenheit zu befreien, um schließlich ein erfülltes Leben zu führen und ihren Kindern und vietnamesischen Adoptivkindern die Liebe zu geben, die sie als Kind selbst so schmerzlich vermissen musste.
Mit der Darstellung ihres Lebens fügt die Autorin dem Bild des Künstlers und Menschen Picasso eine neue und persönlich geprägte Facette hinzu. Diese ist alles andere als schmeichelhaft: Picasso, ein Mensch in seinem autistischen Universum, ein Mensch, der nicht die Welt abbildet, sondern die seine zum Maßstab macht, der zugunsten seiner Malerei auf die Welt der Menschlichkeit, der Zärtlichkeit und der Gefühle verzichtet und schließlich Menschen seiner Umgebung in den Strudel seines eigenen Untergangs mitreißt.
Kein vergnügliches, heiteres Buch! Meisterhaft und lebendig skizzierte Bilder, die unser Mitgefühl erregen. Zwar finden sich zuweilen Intermezzi fröhlicher Kindheitserinnerungen, die jedoch stets bald wieder von düsteren Wolken der Verzweiflung und des Schmerzes überschattet werden. Es scheint, dass die Autorin das Buch schreiben musste, um sich vor einem eigenen drohenden Untergang zu retten und zu einer harmonischen Existenz durchzudringen.
Während der Lektüre überlegte ich mehrfach, dieses Buch einfach beiseite zu legen. Letztendlich habe ich mich in der Hoffung, doch noch einige weitergehende Informationsbrocken über den Menschen Picasso zu finden, durchgekämpft. Diese Hoffnung ist leider enttäuscht worden. Auch wenn Ansätze seitens der Autorin in diese Richtung gehend vorhanden sind, scheint sie zu sehr mit der Aufarbeitung ihrer eigenen Probleme beschäftigt zu sein. Schade.
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