Das sehr viele der sogenannten Genies auch mehr oder weniger ausgeprägte Macken hatten oder sogar als Menschen unausstehlich waren, ist nicht erst seit dem vorzüglichen Buch von Wolf Schneider namens „die Sieger" bekannt. Dass Picasso voll in dieses „Schema" hineinpasst, ist auch nicht gerade ein Geheimnis. Die Behauptung eines Freundes, Picasso habe die Menschen seiner näheren Umgebung und insbesondere seine Frauen verbraucht, empfand ich als sehr treffend. Entsprechend war ich neugierig auf dieses Buch, inwiefern es dieses Bild eines „menschen-verbauchenden Genies" durch seine Enkelin mit mehr Hintergrundinformationen gefüllt werden könnte.
Leider liefert die Autorin diese Informationen nur zu einem Teil. Sie beschränkt sich auf die dunkle Seite ihres Großvaters. Sie wiederholt zwar mehrmals, dass sie ihn auch für ein Genie hält, führt diese Behauptung aber nicht näher aus. Die Beschreibungen darüber, wie sehr ihr schwacher Vater, ihre in Hass und Eitelkeit verstrickte Mutter, ihr sensibler Bruder, die ganze nähere Umgebung Picassos und vor allem natürlich sie selbst unter dem dominanten, berechnenden und manipulierenden Wesen des Malers leiden, nehmen dagegen sehr viel Raum ein, ja eigentlich fast den gesamten. Damit ist der Informationsgehalt dieses Buches sehr schnell erschöpft und gerät primär zu einer Selbsttherapie in Form einer Abrechnung mit Picasso. Das zu lesen ist zunächst sicherlich erschütternd, hat mich aber durch die häufige Wiederholung mehr und mehr gelangweilt.
Während der Lektüre überlegte ich mehrfach, dieses Buch einfach beiseite zu legen. Letztendlich habe ich mich in der Hoffung, doch noch einige weitergehende Informationsbrocken über den Menschen Picasso zu finden, durchgekämpft. Diese Hoffnung ist leider enttäuscht worden. Auch wenn Ansätze seitens der Autorin in diese Richtung gehend vorhanden sind, scheint sie zu sehr mit der Aufarbeitung ihrer eigenen Probleme beschäftigt zu sein. Schade.