... und trafen Berlioz
"Von einem Traum zum nächsten taumelst du in deinem Leben. Ist es Welt um dich herum, oder ist es ein Verweben von perfekten Illusionen?"
Mit diesen ersten Sätzen eines tiefgründigen Gedichtes beginnt das Erstlingswerk der Autorin Barbara Kiray-Hüholt. Wunderschöne Erzählungen hat sie da zu Papier gebracht. Die unterschiedlichen Szenen spielen in einem kleinen Dorf in der französischen Provence. Das fühlt, spürt, ja, riecht man auch, weil sie es so lebendig rüberbringt. Die Hauptperson ist ein sprechender, schwarzer Kater. Sein Name ist "Berlioz". Er sucht sich mit Vorliebe Menschen für seine Unterhaltungen aus, die in Schwierigkeiten stecken und mit ihnen alleine nicht fertig werden. Ja, er ist sogar in der Lage, sich Menschen herauszupicken - beispielsweise eine Art Schauspieler-Yuppie der heutigen Zeit -, die fundamentale Probleme ihrer eigenen Geschichte und Gegenwart verdrängt haben. Aber bei Berlioz haben sie keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Er "erkennt" sie, er sieht und riecht mehr als manchen seiner Gesprächspartner/innen zunächst lieb ist. Die 11 Begegnungen sind jeweils für sich genommen kleine Kunstwerke des Erzählens. Ob der auf hinreißende Art philosophierende Berlioz sich nun mit einer potentiellen Selbstmörderin unterhält; einer Malerin zeigt, dass ihr Bild doch eigentlich längst fertig ist; einem Händler, der mitsamt einer Ladung lebender Hühner eine Autopanne hat, den richtigen Weg weist, oder der eigentlichen Erzählerin am Ende keine Beachtung mehr schenkt, da sie ihn ja nun nicht mehr braucht... In jedem Falle bilden alle Geschichten zusammen ein wunderbares Ganzes Man kann dieses Buch nur empfehlen! Schade ist, dass es nicht zunächst als Hardcover herausgebracht wurde. Verdient gehabt hätte es der Text allemal. Zudem ist ein sehr schönes Geschenk. Dem Buch ist eine breite Leser/innenschaft zu wünschen! Auf das nächste Werk von Barbara Kiray-Hüholt dürfen wir nach dieser beeindruckenden Vorgabe gespannt sein.