Ja, auch ich gehöre zu denen, die ganze Stapel von Trennungsratgebern durchackerten, um Trost nach einer Trennung zu finden. Das Wissen, dass Trennungen nach vorbestimmten Phasen ablaufen, beruhigte mich zwar, half aber nur wenig. Dieses Buch geht ebenfalls auf diese Phasen ein, hat aber weit mehr zu bieten als die Konkurrenz. Am meisten geholfen haben mir die Rituale der Selbsthilfe. Denn was die Neurologen heute wissenschaftlich begründen können, gehört seit Urzeiten zum Inventar von Helfern, die das Heil nicht nur in der Vernunft suchen. Weil Trennungsschmerz eng mit dem Verlust von Gewohnheiten zusammen hängt, können mit Ritualen neue Muster eingeübt werden. Während der erste Teil des Buches einen Ansatz von Trauerarbeit verfolgt, den wir auch bei anderen Autoren finden, wird in zweiten Teil viel Neuland entdeckt und den Lesern schmackhaft gemacht. Vor der Lektüre war ich skeptisch, ob eine Frau sich in die Gefühlswelt eines Mannes mit Trennungsschmerz einfühlen kann. Sie kann, wenn sie so behutsam vorgeht, wie Gina Kästele dies tut und sich auf allgemein menschliche Verhaltensmuster konzentriert. Wenn ich drei Favoriten meiner Trennungsratgebersammlung nennen müsste, gehörte dieses tolle Buch bestimmt dazu. Der Titel führt zur Annahme, das Buch sei nur für Partnertrennung hilfreich. Doch die Rituale haben mir auch geholfen, über den Tod meiner Tochter hinweg zu kommen, Schuldgefühle zu verarbeiten und die Lust an alltäglichen Dingen neu zu entdecken.