Also ich fand das Buch nicht schlecht geschrieben. Es erinnert vielleicht an die Aufzeichnungen eines Psychologen. Man bekommt nicht wirklich Einblick in Bezug auf Frauke. Sicher, pö a pö kommt man hinter die Essstörung und ihre Ursachen: permanenter Leistungsdruck, eine Mutter, die Probleme hat, ihre Tochter zu lieben, der Vater scheint gar keine Rolle zu spielen und Fraukes eigener Leistungsdruck um Anerkennung zu bekommen, die jedoch (von der Mutter) ausbleibt.
Ich würde sagen, das Buch ist die Mitte von Fraukes Lebensgeschichte. Es fehlt die Vorgeschichte (diese wird nur Bruchstückhaft zeitweilig mal angerissen, Fraukes Selbstzweifel werden daurch nicht wirklich klar dargestellt).
Schade ist, dass das Buch kein Ende zeigt. Auch die Therapie wird nur sehr ungenügend dargestellt. Man fragt sich, was passiert, wenn Frauke wieder zu zuhause ist. Denn das ist das Schwerste nach jedem Klinikaufenthalt, egal ob es eine Essstörung oder eine Drogenentziehung war. Wirklich zur Sache geht es erst, wenn man nicht mehr in der Klinik ist! Und das fehlt und macht die Geschichte unvollständig und sehr wenig informativ. Die Geschichte wird einfach dargestellt ohne auch nur irgendwelche Heilungsmöglichkeiten aufzuweisen. Jeder Fall ist natürlich individuell, klar, aber hier ist gar kein Indiviualismus da. Frauke beginnt wieder zu essen und die Geschichte ist zu ende. Und ich bezweifele sehr stark, dass eine esssüchtige Zimmernachbarin einen solchen Eindruck bei einer Magersüchtigen hinterläßt. Wahrscheinlich wird sich die Magersüchtige eher bestätigt fühlen, als irgendwas an ihrem Essverhalten ändern zu wollen.