"meine Nerven waren sehr aufgeregt, und Gertrude Stein sagt, in dem Gesicht stand dasz er, wenn er ein Stück Wiese angeschaut hatte, es immer ein Stück Wiese für ihn gewesen wäre, aber dann habe er die getroffen die er liebte, und wenn er dann auf ein Stück Wiese geschaut hätte, seien auf dem Stück Wiese Vögel und Schmetterlinge gewesen, die vorher nicht da waren, das also ist Liebe."
So beginnt Friederike Mayröckers "Und ich schüttelte einen Liebling". Und zwar genau so. Und genau so geht es weiter. Dass der Liebling im Titel die Sprache, das Wort ist, wurde bereits geschrieben. Dass es ein Liebesbuch ist, für Erich Jandl nämlich, EJ wie sie ihn im Buch nennt, auch. Mein Gefühl sagt mir, dass die Sprache für Friederike Mayröcker an erster Stelle steht, EJ an zweiter. Und zwar die geschriebene Sprache, nicht die gesprochene.
Gegen Ende des Buches schreibt sie, reflektierend:
"In diesem entstehenden Buch habe ich einen Nicht-Stil angewendet also eine Art literarischer Selbstentblöszung, nicht wahr, also das Kritzeln/Beschmutzen : das Kritzeln auf meinen nackten Oberschenkel oder ins Handinnere schreiben und ein schwarzes Kreuz zeichnen das nicht mehr zu löschen ist, meine Hände von unterschiedlicher Temperatur, links kalt rechts warm, bin ganz vermurmelt, habe die Hände von Melancholie, und rannte in die Maschine hinein, dasz ich darin umkam -"
Man muss das Buch lesen wie ein Gedicht. Die vielen Wiederholungen beginnen mit der Zeit zu wirken. Ich glaube, dadurch mit jeder Seite Friederike Mayröcker ein wenig näher gerückt zu sein. Ein Buch, das ich irgendwann einmal erneut lesen werde.