Das Buch mag bereits betreffen, anrühren, beeindrucken, anregen - es ist nichts gegen die gelesene Version! Diese unfaßbare Eindringlichkeit ist ohne die Einfühlsamkeit, gepaart mit dem dramatischen Talent von Hannelore Hoger und Sophie Rois undenkbar. Sie verleihen den einzelnen Schreiberinnen und ihren Briefen eine überzeugende Charakteristik und bauen so beim Hörer die Distanz zu den Gefühlen des anderen noch viel mehr ab, als das die Briefe ohnehin schon. Denn die Auswahl als ganzes legt die Einsicht nahe, daß Frauen heute gar nicht so anders lieben als vor zweihundert Jahren, dass sich ähnelt wonach sie suchen und auch was sie finden. Sybille Berg ordnet die Briefe galant in einen größeren Zusammenhang ein, der in Gedanken zur Liebe in unserer Zeit mündet.
Lieblinge: Simone de Beauvoir an Nelson Algreen, Charlotte Brontë an Herny Nussey