HÖRSPIEL-KRITIK:
UND DIE GROSSEN LÄSST MAN LAUFEN ist der sechste Roman aus der berühmten KOMMISSAR BECK - Buchreihe von Maj Sjöwall und Per Wahlhöö. Er erschien 1970.
Diesmal ermittelt die Stockholmer Mordkommission unter der Leitung von Kommissar Martin Beck im Fall des Mordes an dem Großindustriellen Viktor Palmgren, der bei einem Geschäftsessen von einem Unbekannten erschossen wurde. Die Tätersuche gestaltet sich schwierig, da die Zeugen unterschiedliche Aussagen über den Mord abgeben und sich auch auf keine einheitliche Beschreibung des Schützen verständigen können.
Man fragt sich als geschulter Hörer oder Leser jüngerer Krimis manchmal, warum die Last der Geschichte auf so viele Schultern verteilt wurde, immerhin hat Beck manchmal bis zu 6 Kollegen, die ihn in seinen Fällen unterstützen. Was ist das besondere oder gar unverwechselbare an diesem kauzigen Beck, der auch hier zumeist nur als Mittler agiert?
Vielleicht eben jene Schattenhaftigkeit, die die ihn und die Geschichte so realistisch anmuten lässt. Und daher findet man auch in dieser Beck-Episode keinen klassischen Spannungsbogen; dafür wird man an Stellen überrascht, an denen man gerade wieder Vergleiche zu Schweden-Romanen von Mankell oder Nesser anstellen wollte.
Das vorliegende Stück, das der SWF/WDR produzierte, folgt wie in der Hörspielreihe üblich genauso nüchtern den Ereignissen um die Ermittlungsvorgänge von Beck und seinem Team, wie es die Buchvorlage tut. Die beiden Erzähler (Matthias Ponnier und Hans-Peter Hallwachs) wirken wiederum fast unbeteiligt, lediglich das BECK-Musik-Thema von Hans Martin Majewski macht uns klar, daß es sich um eine Kriminalgeschichte handelt.
Charles Wirths spricht hier wie in fast allen 10 BECK-Funkfassungen die Rolle des Kommissars und auch einige der üblichen BECK-Sprecher sind wieder dabei: Horst Frank (wunderbar als Gunvald Larsson), Benno Sterzenbach (Mansson), Hubert Suschka (Lennart Kollberg), Christian Brückner (Einar Rönn), Michael Thomas (Benny Skakke), Antje Hagen (Asa Torell) sowie Gert Haucke als ihr Chef Stig Malm. Ferner Gerd Andresen, Stefan Behrens, Friedrich von Bülow, Edgar Hoppe und Marie Luise Etzel.
UND DIE GROSSEN LÄSST MAN LAUFEN ist eine jener ersten 4 BECK-Radio-Adaptionen, die der bekannte Funkregisseur Peter-Michel Ladiges 1978 eingerichtet hat.
Die Inszenierung überzeugt durch seine eigenwillige Stilistik (kurze Szenen, nüchterne Sprache, charaktervolle Sprecher und als verbindendes Element zwei sich schnell abwechselnde Erzählerstimmen), die er auch bei seinen Sjöwall/Wahlöö-Hörspielen DIE TOTE IM GÖTAKANAL, ENDSTATION FÜR NEUN und DER POLIZISTENMÖRDER angewendet hat.
Ladiges' letzte BECK-Funk-Bearbeitung (ALARM IN SKÖLDGATAN) entstand übrigens erst 1995 im NDR und folgt diesem Stil nur noch begrenzt.
Inzwischen sind alle 10 Funkfassungen der klassischen Beck-Krimis des schwedischen Autorenpaars Maj Sjöwall und Per Wahlöö im Audio-Verlag erschienen, manche als Teil einer Sammelbox, manche auch einzeln.
GUTE UNTERHALTUNG.