"Es ist ein Glück zu lesen" meint Elke Heidenreich, und ich stimme ihr zu. Es ist auch ein Glück, dass ich Penny Louise entdeckt habe, und ich habe mich sowohl in ihrem ersten Buch "Denn alle tragen Schuld" als auch in ihrem Folgebuch in das Dorf "Three Pines" mit all seinen skurillen, schrägen und liebenswerten Menschen verliebt. Man bekommt Lust, dahin zu reisen, die Landschaft zu bewundern und das Bistro aufzusuchen, in dem es immer so gut riecht, es einfache aber wunderbare Snacks gibt, und die gesamte Einrichtung und das Inventar mit Preisschilder versehen ist, das man sogar, wenn man mag, nach Verzehr käuflich erwerben kann.
Ein besonderer Mensch ist Kommissar Gamache, der auch in diesem Buch wieder ermittelt, man wünscht sich, es gäbe mehr von seiner Sorte, was Menschlichkeit, Sensibilität und Zuhören anbelangt.
Wieder gibt es eine Tote in diesem so idyllischen Dorf "Three Pines", und wieder kann man sich auf den ersten Blick nicht vorstellen, wie dieser Mord unter all den Dorfbewohnern geschehen konnte. Die Tote wurde durch einen Stromschlag mitten auf einem völlig zugefrorenen See umgebracht, sehr unwahrscheinlich, meinen auch die Ermittler. "Warum hat man sie nicht einfach erschossen", das wäre ein sauberes Ende gewesen. Die Tote war zu Lebzeiten kein netter Mensch gewesen, nicht zu ihrem Mann, und schon gar nicht zu ihrer Tochter, eigentlich hat sie niemand gemocht, und niemand hat um sie getrauert. Es ist ein ganz schönes Stück Ermittlungsarbeit, bis Gamache und sein Team die Hintergründe erahnt und dann versteht.
Parallel dazu ermittelt er, mehr aus persönlichen Gründen, noch in einem anderen Mordfall, einer Pennerin, die in Montreal direkt vor einem Kaufhaus ermordert wurde. Dass diese beiden Mordfälle zusammen gehören, ist ziemlich bald klar, nur die Zusammenhänge dauern.
Fazit: in diesem Buch hat Penny ziemlich viel konstruiert, und es ist streckenweise ziemlich unglaubwürdig. Aber trotzdem alles in allem ein gemütlicher Krimi, in dem einem die Beteiligten richtig ans Herz wachsen. Allerdings hat man auf den letzten ca.10 Seiten den Eindruck, dass die Übersetzung geschludert hat, denn es fehlen zum Teil einige Zusammenhänge. Das ist sehr schade und ich bin ein wenig unzufrieden, ich hätte sehr gerne gewusst, mit wem Agent Nichol die dubiosen Telefongepräche hat.
Dies bleibt im Dunkeln, und ich hoffe nicht, dass die Autorin eine Art Fortsetzungskrimi, in der Art einer Soap plant. Dies würde ich sehr bedauern und müsste mich dann von ihr verabschieden.