Egal ob man sich nun als Rationalist darüber aufregt, dass an der Bibel so viele gute Haare gelassen werden oder als Ultra-Konservativer, dass Wunder einfach wegerklärt werden. Das Buch ist ein Standardwerk.
Und gar kein allzu schlechtes. Es ist locker und unterhalsam geschrieben. Das macht es einem einfacher die eine oder andere Oberflächlichkeit zu schlucken.
Vielen wird dieses Buch nicht kritisch genug mit der Bibel und anderen Quellen umgehen. Denn es konzentriert sich - völlig unwissenschaftlich - auf all das, was sich irgendwie belegen lässt. Und das ist eine ganze Menge - zumindest wenn selbst Weltenbummler wie Herodot als Autorität gelten dürfen. Insgesamt steht das Buch damit im Kontrast zur Bibelkritik, die seit Jahrzehnten immer neue Ungereimtheiten herausarbeitet und im Zweifelsfall gegen die Angeklagte urteilt.
Sehr Gläubige hingegen werden dabei ob der oftmals respektlosen Erklärungsansätze zusammenzucken. Teilweise zurecht, weil die naturwissenschaftlichen Erklärungen für einige Wunder manchmal ein bisschen naiv klingen und die regelmäßigen "gabs alles schon vorher"-Erklärungen scheibar den unverhältnismäßig hohen Einfluss der Bibel auf die Menschheitsgeschichte ignorieren. Teilweise dürften sie sich aber auch an ihre eigenen (Aber-)Gläubigkeit stoßen.
Ich mag weder vernunftlose Leichtgläubige, die die Bibel völlig unreflektiert (und damit nur oberflächlich) erfassen, noch hysterische Rationalisten, die in der Bibel eine einzige Lüge sehen wollen. Die Bibel ist ein Werk von höchster historischer Bedeutung. Und mittlerweile muss man akzeptieren, dass sie auch eine historische Autorität ist, die hinter anderen Zeitgeschichtlichen Quellen nicht zurücksteht.
Das Buch lässt einem die Wahl zwischen den gemäßigteren Positionen beider Seiten. Es argumentiert zwar rational/glaubensfrei, lässt aber Raum für Glauben. Trotz schwacher Beweisführungen kann ich das Buch daher allen als Orientierungshilfte empfehlen, die sich mit dem Thema "Die Bibel als Zeitzeuge" bisher nur oberflächlich beschäftigt haben. Mir hat es immerhin einen schnellen Gesamtüberblick über die historische Relevanz der Bibel gegeben. Ein Überblick, der sich in detaillierteren Werken schnell verliert.
Meine Ansprüche an Genauigkeit kann das Buch nicht gerecht werden. Die Bilder werten es jedoch auf, weshalb ich dennoch 4 Sterne geben kann.