Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und realen Charakteren und soll laut diverser Filminformationsdienste dementsprechend auch sehr realitätsnah inszeniert sein. Ein Hinweis, dem man nach eigener Betrachtung in der Tat Glauben schenken mag. "... und das Leben geht weiter" packt mit der Suche nach dem Patienten NR. 1 das Thema AIDS im wahrsten Sinne des Wortes an der Wurzel an und ist dabei spannend aber dennoch nicht aufdringlich erzählt. Er zeigt die Hilflosigkeit der finanziell und personell unterbesetzten Gesundheitsbehörden ebenso deutlich, wie die größtenteils homophobisch motivierten Interessen einer breiten Masse aus Politik und Wirtschaft, das Thema bewusst klein zu halten und potentielle Gefahren zu ignorieren.
Im Film Philadelphia", der fast zeitgleich erschienen ist, geht es um die Darstellung eines fiktiven Einzelschicksals, hier geht es um das ganze Bild und um die Verantwortung und das Versagen von Personen, die getrieben von Arroganz, Ignoranz, persönlicher Eitelkeit und Profitgier jeden nur erdenklichen Fehler gemacht haben, um AIDS den Weg zu einer weltumspannenden Krankheit zu ebnen.
Roger Spottiswoode bezieht in seiner zum Teil dokumentarischen Inszenierung eindeutig Stellung gegen den bürokratischen Verwaltungs- und Gesundheitsapparat, der die Ausbreitung des HI-Virus überhaupt erst möglich gemacht hat. Und er bleibt dabei keineswegs neutral sondern ergreift offen Partei für die Opfer der Borniertheit von Verantwortungsträgern und der Ignoranz der gesamten amerikanischen Gesellschaft.
Vielleicht stimmt von dem hier Dargestellten ja nur die Hälfte. Das reicht dann aber vollkommen aus, um den Film zu einem bedrückenden Zeitzeugnis zu machen.