Am 10.09.2011 feiert das Sherlock-Holmes Museum im schweizerischen Meiringen, unweit der Reichenbachfälle, wo Conan Doyles berühmter Detektiv im Kampf mit Prof. Moriarty sein scheinbares Ende fand, das 20jährige Bestehen mit einem Festival. Neben Gilbert Adair, der als Schöpfer der Evadne-Mount-Krimis autobiographisch von den Ereignissen berichtet, und einigen anderen Schriftstellern ist auch ein Überraschungsgast angekündigt: Gustav Slavorigin, auf den ein texanischer Millionär wegen äußerst unsensibler Äußerungen zum Anschlag auf die Twin-Towers und zur Bush-Regierung ein Kopfgeld ausgesetzt hat. Am 10. Jahrestag der Katastrophe wird Slavorigin tot im Sherlock-Holmes-Museum aufgefunden. Wenngleich natürlich die Spur zum Täter gefunden werden muss (und wird), handelt es sich bei "Und dann gab's keinen mehr" doch um mehr als nur um einen gewöhnlichen Whodunit-Krimi!
Es gelingt dem Autor vor allem, seine Leser durch intertextuelle Verweise auf andere Werke und ein bewusstes Spiel mit den Ebenen von Fiktion und Pseudo-Realität intelligent zu unterhalten. Wie ist zu erklären, dass Adair Evadne Mount, seine erfundene Detektivin, tatsächlich trifft und mit ihr auf Mördersuche geht? Fragen wir dazu Evadne - und nicht Evans! Kann man daher sicher sein, dass eine Romanfigur ihren Platz zwischen den Buchdeckeln tatsächlich nie verlässt? Und erkennen Sie den Grund für die belgische Nationalität des Interpol-Beamten? Gilbert Adair schafft eine ganz eigene, innovativ angehauchte und intellektuelle Parodie auf den Krimi des Goldenen Zeitalters ... und wenn uns die Lösung (mit eingebautem Showdown an den Reichenbachfällen) auch an einen ganz bekannten Agatha-Christie-Krimi erinnert, muss man doch zugeben, dass die Aufdeckung delikater Details, die den Täter entlarven, die allgemeine Neugierde des Lesers mehr als befriedigt.
Doch Achtung: Das sprachlich nicht immer ganz leichte Lesevergnügen ist höher, wenn man auch die beiden vorhergehenden Romane gelesen hat!