"Aus Da Nang
wurde fünf Tage hindurch
täglich berichtet:
Gelegentlich einzelne Schüsse
Am sechsten Tag wurde berichtet:
In den Kämpfen der letzten fünf Tage
in Da Nang
bisher etwa tausend Opfer"
Nachdem Erich Fried sich nun schon über 20 Jahre mit dem Gedichtschreiben beschäftigte (
Von Bis nach Seit;
Warngedichte) fand er um 1962 zu einem Thema, dass ihm die Rolle gegeben sollte, in der er uns bis heute am meisten bekannt ist: die Rolle des sprachsubtilen, scharfen politischen Dichters. Das Thema: Vietnam. 1966 erschien dann der Band der sich nur damit beschäftigte: und Vietnam und.
Einiges weiß wohl jeder über diesen Krieg; doch wer ihn "lernen" möchte ("kennenlernen", würde Fried sagen, "kann man ihn nicht!") für den ist dieser schmale Gedichtband mit zusätzlicher Vietnam-Ereignischronik höchstwahrscheinlich viel besser geeignet, als ein dickes Sachbuch. Nicht nur das Grauen und das Sinnlose hat Fried auf seine eigene, teils sarkastisch und doch schon fast wieder verzweifelt eingehende Art geschildert, sondern auch die Protagonisten des Krieges.
Lange und kurze Gedichte wechseln sich ab; natürlich ist vieles zeitnah, doch so mancher Vers klingt auch noch heute in den Ohren wie ein Tosen, zum Beispiel das Gedicht "Einbürgerung":
"Weiße Hände
rotes Haar
blaue Augen
Weiße Steine
rotes Blut
blaue Lippen
Weiße Knochen
roter Sand
blauer Himmel"
Fried stellt einschneidende Fragen, über die man sich auch im Bezug auf heutige Ereignisse noch Gedanken machen kann; er weißt uns den Weg der Auseinandersetzung, bei der man nicht nur die bestehenden Einrichtungen streift, sondern es auch mal darauf anlegt, mit ihnen zusammen zu stoßen.
Und immer wieder findet er für die komischtraurigsten Wendungen wir die traurigsten Wahrheiten:
"Vom Gleichgewicht der Befriedung
Und als die Hunde erschossen waren
da haben sich die Katzen sehr vermehrt
da kam eine Maus mit grauen Haaren
und hat sich beim Menschen beschwert
Warum wir die Hunde abgeschafft haben?
hab ich vergessen - zu dumm
Aber da vor dir liegt ein Hund begraben
Mach ein Loch und frag ihn warum"