Hatten wir schon des öfteren: Frau geht nach herber Enttäuschung / großem Verlust in ein kleines Dorf, um Abstand zu gewinnen. Dort ist vor Jahren ein Mord passiert. Sie wird Teil des Dorflebens, und auch wegen ihrer Fragen wird der Mord schließlich aufgeklärt. Gleichzeitig spielt ein neuer (alter) Mann in ihrem Leben eine Rolle, und letztendlich sind alle Probleme wieder so einigermaßen bewältigt.
Nach diesem Strickmuster strickt auch Mary McCarthy, und dieses durchgenudelte Thema habe ich schon spannender, schwungvoller, witziger und psychologisch stimmiger abgehandelt gelesen. Die Dialoge sind platt und voller Klischees, deren sich auch die Heldin (Psychotherapeutin!!) gerne bedient. Denn (Zitat) "es ist wichtig, daß man redet". Jawoll ja.
Die Figuren bleiben blaß und hölzern, und der Handlungsfluß wirkt, als wäre er mit Legobausteinen zusammengesetzt. Nur die Beschreibung der unter der Alzheimer Krankheit leidenden Großmutter wirkt ein bißchen lebendiger, was immer das auch beweisen mag. Die Story ist ziemlich bald zu durchschauen, auch wenn das Buch damit (leider?) noch nicht zu Ende ist. Nach Lösung des Mordfalles wird noch die Liebesgeschichte abgehandelt, aber dann ist es geschafft.
Das soll lt. "BRIGITTE" (hinterer Buchdeckel) ein "packender Frauenkrimi" sein. Was immer das sein mag, dieses Buch ist weder packend, noch würde ich es als Krimi bezeichnen, höchstens als romantische Abenteuergeshcicht. Nur wegen der Großmutter (und nicht derselben Ansicht wie mein Vorredner) einen Stern.