Das ist kein normales Kochbuch. Es grantiert nicht nur Anregung des Speichelflusses und Erwecken der Kochlust schon beim Anblick der Bilder; sondern ist zugleich Nahrung für Herz und Geist - ein kleines Kunstwerk, aus Liebe entstanden und mit viel Herzblut und Freude geschrieben. Das erkennt man schon beim ersten Durchblättern.
Dennoch: die Rezepte sind - mit wertvollen Tipps angereichert - klar und leicht reproduzierbar dargestellt. Die Bilder ermutigen auch weniger passionierte Köche zum Ausprobieren. Einfache, aber nicht alltägliche Hausmannskost, interessante, zuweilen ungewöhnliche Zutaten, raffinierte Köstlichkeiten - für jeden Gaumen und jeden Koch ist etwas dabei.
Wunderbare Familiengeschichten und -bilder hauchen diesem Koch-&Fotokunst-Werk Leben ein. Ich muss gestehen, ich habe anfangs die Rezepte überflogen und blieb an den Geschichten und Familienalbumfotos hängen. Bei aller Kürze der Geschichten ist die siebenbürgisch-sächsische Familiensaga ergreifend, rührend und doch meistens mit einem kleinen Augenzwinkern, Bodenständigkeit und Humor geschrieben. Es geht um Lebensart, gute und schwere Zeiten, Freundschaft, Familie, Freude an den "kleinen Dingen des Lebens" und fast immer um Zusammenhalt und (Über)Lebenskunst. So wird der Leser in die - für viele kaum bekannte - Welt der Siebenbürger Sachsen, so wie sie in bis Ende der 80er Jahre lebten, entführt.
Wer meint, dieses Buch wäre nur für Menschen mit persönlichem Bezug zu Siebenbürge(r)n kostbar und interessant, irrt gewaltig. Jeder, der es sich bei mir angeschaut hat, legte es nicht so schnell aus der Hand und auch als Geschenk kommt es immer sehr gut an.
Das Buch hat natürlich in der Küche nichts verloren, und sollte auch nicht im Kopierer vergewaltigt werden. Wenn ich etwas daraus kochen will, darf es geöffnet auf meinem Schreibtisch liegen. Gerne nehme ich den Weg aus der Küche dorthin in Kauf, falls ich doch noch mal etwas nachlesen muss.