Auf einer Veranstaltung in der Abtei von Bobbio in Norditalien wurde Peter Tremayne gefragt, ob er Fidelma nicht mal in der Abtei ermitteln lassen könnte. Tremayne sagte zu und ging einige Jahre in Fidelmas Zeit zurück, um diese Geschichte unterzubringen.
Und so sehen wir Fidelma einige Jahre jünger als in den letzten Büchern, nach ihren Erlebnissen in Rom und noch unverheiratet, so dass Eadulf im Buch nicht vorkommt. So entstand die beste Geschichte seit langem. Ärgerte ich mich zuletzt über das stereotype Handlungsgerüst (Fidelma wird zum Schauplatz eines Mordes gerufen, ermittelt, fasst den Mörder), das zwar Fidelmas Rolle als Anwältin verlangt, aber allmählich totgeritten ist, ist Fidelma hier über weite Strecken eher eine hilflose Beobachterin.
Fidelma strandet auf ihrer Rückreise von Rom in Genua, erfährt dort, dass ihr alter Lehrer in der Abtei Bobium im Tal der Trebbia lebt und möchte ihn dort besuchen. Am Tag nach ihrer Ankunft stirbt der alte, schwer verprügelte Mann, warnt sie jedoch vorher nach, es würde Böses in der Abtei vorgehen. Die Machtkämpfe zwischen den verschiedenen Gruppen und einige Morde lassen ihren Aufenthalt dort sehr ungemütlich werden.
Mehr zur Handlung möchte ich nicht verraten - das sollen die weiteren Leser selbst herausfinden.
Gut beschrieben finde ich die Hintergründe des Streits zwischen den Christen der beiden Glaubensbekenntnisse (arianisch und nicäisch). Weniger gelungen ist die sprachliche Ausführung. Inwiefern dies auf die Übersetzung zurückzuführen ist, kann ich allerdings nicht sagen. Sprachlich kommt der Roman daher wie eine 08/15-Gegenwartsgeschichte. Moderne Ausdrücke (i-Tüpfelchen) werden bedenkenlos verwendet. Am meisten stört mich allerdings das penetrant falsch geschriebene Wort "Verließ", das selbst nach der neuen Rechtschreibung "Verlies" geschrieben wird. Könnte das Lektorat dies in zukünftigen Auflagen berücksichtigen?
Fazit: Seit langem hat mir kein Fidelma-Roman von Peter Tremayne so gut gefallen wie dieser. Die vier Sterne betreffen vor allem die sprachliche Umsetzung. Die Handlung verdient für mich fünf Sterne.