Am Anfang dieses Buches steht ein gutes Projekt. Die Bibel wurde in kleine Abschnitte aufgeteilt und diese Abschnitte verteilt auf eine große Zahl von Kirchentagsteilnehmern nochmals radikal zusammengefasst auf jeweils maximal 140 Zeichen.
Die Ergebnisse lesen sich interessant und teilweise witzig. Wer bei den üblichen Kirchenpredigten gerne schon mal gedanklich abschweift oder wegdöst, bekommt hier gezeigt, dass es auch anders geht. Beispiele: "Kain leugnet , doch Gott weiß Bescheid. Der verflucht Kain zum Nomadentum, verpasst ihm aber ein Schutz-Tatoo." "Abrams Frau Sara akquiriert ihre Magd Hagar als Leihmutter." "David und Jonathan klären ihre Beziehung und beschließen, Saul auf den Zahn zu fühlen." "Habt Mut, wenn ihr wegen eures Glaubens gedisst werdet."
Mann darf allerdings nicht erwarten, dass das Buch durchgängig so ist. Der Stil muss bei so vielen Teilnehmern notgedrungen uneinheitlich sein und natürlich sind nicht alle Abschnitte der Ausgangstexte gleich interessant, so dass das Buch auch viele unscheinbare Passagen enthält. Ich rate außerdem davon ab, besonders poetische Stellen (bestimmte Psalmen, Sprüche usw.) der normalen Bibel hier nachzuschlagen. Das Ergebnis war für mich in der Regel unbefriedigend.
Magische Momente dagegen gibt es, wenn man einen Abschnitt in diesem Buch liest und sich ernsthaft fragt: Steht das wirklich so in der Bibel? Beim Nachsehen habe ich dann in der Regel festgestellt, dass meine Erinnerung halbwegs richtig war, aber die Kurzzusammenfassung doch ein interessantes anderes Verständnis davon aufzeigt.
Wenn Sie es als Literatur lesen, werden Sie enttäuscht. Wenn Sie es als Projektergebnis lesen, macht es Spaß. Wenn Sie es als gedankliche Lockerungsübung im Umgang mit Bibel, Kirche und Religion nehmen, ist sogar nützlich.
Vier Sterne von mir.