Gad Beck bringt uns die Schrecken der Nazizeit auf ganz unnachamhmliche Weise näher, indem er eben auf den ganzen Pathos verzichtet, mit dem in der Regel Darstellungen der Nazizeit und des Holocaust verbrämt werden - statt dessen erzählt er unmittelbar und individuell, ohne Schörkel, falsche Scham oder aufgesetzten Heldenmut. In diesem Buch konnte ich zum ersten Mal wirklich mitverfolgen, wie die Nazis langsam und Schritt für Schritt ihre Judenverfolgung ausweiteten, wie sich die deutschen Juden an die nach und nach erfogende Einengung ihrer Rechte gewöhnten und mehr und mehr Willkür immer wieder in Kauf nahmen, bis es zu spät war. Gad Beck erzählt nicht, wie so viele, an einer ehern feststehenden Historie entlang, sondern beschreibt das alltägliche Leben einer ziemlich alltäglichen deutsch-jüdischen Familie in einer sehr schweren Zeit. Die Art und Weise, wie er seine Affären und Liebesbeziehungen mit verschiedenen Männern selbstverständlich Teil seiner Geschichte sein läßt, wie er ohne falsche Scham, ohne Rücksicht auf die sexuellen Konventionen der damaligen wie der heutigen Zeit, diesen Teil seines Lebens nie ausklammert (obwohl er es leicht gekonnt hätte), ist (leider immer noch) ausgesprochen mutig: er bringt den Leser dazu, sich ganz auf seine Weltsicht einzulassen und ihn unter seinen eigenen Konditionen zu akzeptieren. Es ist ein Buch, das gelegentlich heftig schockiert und einen oft laut lachen läßt.