Ich habe mir das Buch auf gut Glück gekauft und anschließend die Amazon-Rezensionen gelesen, die mich schon sehr an meinem Kauf zweifeln ließen. Dann wurde ich aber sehr positiv überrascht, wobei ich im Folgenden nicht zu detailiert in den Inhalt des Buches gehen möchte. Dafür gibt es obige Einführung und außerdem möchte ich dem potenziellen Leser nicht die Spannung nehmen. ;-)
Eins noch vorweg: Wenn man einen bloßen Krimi sucht, ist man hier falsch.
Anna Janssons Debutroman ist eine Mischung aus vielem. Der erste Mord - und auch die folgenden - als solche geraten etwas in den Hintergrund. Was viel mehr interessiert, ist der historisch-religiöse Hintergrund. Das Buch gibt sehr viele Eindrücke und Beschreibungen der nordischen Götterwelt und ist schon allein deswegen lesenswert.
Ein nächstes Schmankerl ist die private Geschichte rund um die sympathische Protagonistin Maria Wern. Zugegebenermaßen teilweise etwas klischeehaft, aber gerade der typische Schwiegermutterdrache lässt einen beim Lesen des Buches auch gern mal schmunzeln.
Ein Wechselbad der Gefühle gibt es dann jedoch zum Ende des Buches. Das Geschehen lässt sich zwar spätestens im letzten Drittel vorhersehen, ist dann jedoch exzellent geschrieben, sodass man - sofern man sich richtig in die Lage der Maria hineinversetzt - mit ihr leidet, bangt und weint... Durch die besondere Schreibweise und das viele örtliche Springen zwischen den einzelnen Personen am Ende des Buches, was zunächst zwar etwas konfus wirkt, wird man aber zum Glück davor gewahrt, sich zu sehr in Marias Rolle zu versetzen und ganz zu verzweifeln. Außerdem wird man so immerzu hin- und hergerissen. Findet alles ein gutes Ende, oder nicht? Man ahnt es zwar, aber sicher ist man bis zum letzten Satz vor dem Epilog nicht.
Alles in allem war "Stum sitter guden" wirklich das beste Buch, das ich in den letzten Monaten gelesen habe.
Allerdings muss ich zugestehen, dass ich das Buch im Original auf Schwedisch gelesen habe und ich mir durchaus vorstellen kann, dass die deutsche Übersetzung nicht das rüberbringt, was das Original schafft. Da ich schon oft wirklich grausame Übersetzungen nordischer Romane gesehen habe, glaube ich fast, dass die ersten Rezensionen, die hier zu diesem Buch geschrieben wurde, in erste Linie aufgrund der Übersetzung so schlecht ausfielen.