Edward Zwick beschert uns jetzt seit vielen Jahren meistens sehr gute, vor allem auch bombastisch ausgestattete Filme. Dramatische Höhepunkte seines Schaffens waren zum Beispiel "Glory", "Legenden der Leidenschaft", "Last Samurai" oder auch "Blood Diamond".
Gerade beim letzteren deutet sich jedoch schon das an was hier bei "Defiance", das Hauptproblem ausmacht und dem Film so enervierend langweilend erscheinen läßt, zu einem nicht überzeugenden Konstrukt zwischen Baller- PC Spiel,solider Schauspielleistung, null Hintergrund, und banaler dramaturgischer Drehbuchleistung macht.
Edward Zwick kann wunderbar gelackte, ästhetisch beeindruckende Bilder abliefern aus dem Hochglanzkatalog.
Wenn es darum geht aber einmal tiefere Zusammenhänge, echte Anteilnahme, Figuren über ihre Oberfläche hinaus erlebbar zu machen, ist er sehr oft hoffnungslos überfordert.
Dabei erkennt man durchaus, daß sich die Beteiligten Mühe gaben einen adäquaten, guten Film abzuliefern.
Doch wie immer ist gut gemeint nicht gleichzeitig gut gemacht.
Die letztlich historisch doch relativ unbekannte Story der Bielsky Brüder, die mit ihrer Partisanen Gruppe über 1000 jüdischen Flüchtlingen Unterschlupf gaben, sie versteckten und letztlich ihr Leben retteten, hätte ähnliches Potential gehabt wie "Schindlers Liste" scheitert aber dann doch an der hier zu erkennenden Unzulänglichkeit des Regisseurs bei diesem doch auch heiklen Thema die Fäden in der Hand zu behalten.
Wer "Unsere Mütter, unsere Väter" gesehen hat, der sich über weite Strecken ebenfalls mit der Thematik der Partisanen auseinandersetzt, sieht den eklatanten Qualitätsunterschied zu diesem letzendlich sehr weichgespülten, undifferenzierten und erschreckend hohlen "Defiance".
Das Schicksal aller Beteiligten, ihre Ängste, ihr Leid, ihre Schuldgefühle, ihre innere Zerrissenheit, die Konflikte zwischen Daniel Craig und seinem Bruder werden in platte Dialog- Phrasen verpackt.
Daniel Craig spielt einfach nur sich selbst ohne Nuancen, Thematiken wie das Ghetto- Dasein werden allerhöchstens angerissen aber durch inszenatorische Unbeholfenheit niemals vertieft oder so nachhaltig übermittelt, daß sie beim Zuschauer irgendeine Emotion, ein wirkliches Interesse auslösen könnten.
Und das ist bei dieser Thematik eigentlich das Schlimmste was man über einen Film sagen kann.
Er ist eine absolut leere, gut bebilderte Luftblase, die den Zuschauer ermüdet, zunehmend entsetzlich langweilt und verärgert, weil er so gerne mehr über diese historisch etwas vernachlässigten Rand- Ereignisse des Krieges erfahren würde.
Hier bietet sich nun wirklich an lieber zu einer guten Reportage zu greifen.
Bei "Defiance" bekommen sie zweifellos gut inszenierte Feuergefechte in Wild- West Manier, wahlweise ,nicht aus dramaturgischen Gründen aber weil es nun einmal super toll aussieht auch in Zeitlupe.
Sie bekommen die eisblauen Augen Daniel Craigs, die mit der märchenhaft schön gefilmten Schneelandschaft um die Wette strahlen, und auch noch um die Werbefilmästhetik voll zu machen, Schneefall wiederum in Zeitlupe.
Die Sonne blinzelt durch die saftig grünen Wälder, der Bach funkelt.
Man könnte auf die fatale Idee kommen, hier haben es doch die Beteiligten über kurz oder lang doch ganz idyllisch nett,eine wirkliche Bedrohung nur ganz selten für den Zuschauer fühlbar zu erleben, zu spüren und wenn man das Erscheinungsbild der Partisanen in mittelalterliche Gewänder eintauschen würde, und ihnen statt des Maschinengewehrs, ein Schwert und Pfeil und Bogen gäbe; siehe da wir wären in der neusten Robin Hood Verfilmung und würden den Unterschied gar nicht merken.
So banal wirkt es, doch sind historische Fakten nun einmal nicht so einfach.
Wo wir in "unsere Mütter, unsere Väter" oder auch "Der Pianist", "Schindlers Liste" bei Erschießungsszenen wirklich die Qual, die Angst, die furchtbaren inneren Konflikte spüren und wir tief erschüttert sind, goutiert der Zuschauer hier ähnliche Szenen mit einem Achselzucken, wie in einem herkömmlichen Action-Film, was "Defiance" schlußendlich dann ja leider auch ist.
Zwar gibt es auch viele ruhige Szenen in denen es die Schauspieler aber nicht schaffen ihre tragischen Rollen für den Zuschauer glaubhaft, überzeugend darzustellen. Man nimmt ihnen die vorgetragenen Emotionen nicht ab.
" Wir müssen aufpassen daß wir nicht zu Wölfen werden, sondern Menschen bleiben". Leere Worthülsen, die den Zuschauer nicht erreichen und nicht durch eine mitreissende Dramaturgie unterfüttert werden.
Uns sind die Schicksale hier großenteils schnuppe, weil so einseitig und klischeehaft dargestellt.
Der Antisemitismus in der Gruppe, der Holocaust an sich, alles angedeutet, abgehakt, nicht weiter vertieft und so geht es den ganzen Film über.
"Defiance" plätschert über zwei Sunden lang einfach nur bunt und kraftlos dahin.
Wenn ein Historienfilm über diese Zeit lang nur in einer einminütigen Hundeangriffsszene Aufmerksamkeit und Mitfühlen erzeugen kann, macht er wohl irgend etwas falsch.
Fazit: Ein Film der sich zieht und zieht, dramaturgisch unausgegorene heiße Luft bietet, weder darstellerisch herausragend noch sonderlich bewegend, ein Film der gestylten Bilderwelt, der gelungenen Kampfszenen, der aber in keinster Weise der komplexen Thematik gewachsen ist.So sollte man Geschichtsaufarbeitung eben nicht machen.