### Einleitung ###
In dem Video stelle ich für meine Verhältnisse relativ knapp das Spiel dar: Die Komponenten, Mechaniken und den Spielablauf. Wer also einen Eindruck vom Spiel an sich bekommen möchte, der möge sich einfach das Video angucken. Hier im schriftlichen Teil handelt es sich eher um sonstige Anmerkungen und den Meinungsteil.
Das Spiel K2 kommt aus Polen und der Autor ist, wie er in der Anleitung verrät, leidenschaftlicher Bergesteiger. Seine frühere Klettergefährtin ist mittlerweile auch seine Lebensgefährtin geworden, wie süß :)
Normalerweise schrillen ja sofort die Alarmglocken, wenn jemand versucht aus seinem Hobby oder seiner Passion ein Spiel zu machen: das kann eigentlich nur scheitern. Doch hört, hört: In dem Fall ist sogar ein sehr ansehnliches und interessantes Laufspiel dabei herausgekommen.
### Schwierigkeitsgrad ###
Spielt man das Spiel auf der einfachsten Schwierigkeitsstufe ist es meistens ein leichtes relativ hoch auf den Berg zu kommen. Hebt man den Schwierigkeitsgrad an, muss man schon deutliche Abstriche machen und kann nicht mehr einfach so drauf los stürmen. Alle die das Spiel nur einmal gespielt haben und zu langweilig oder zu banal finden sollten auf jeden Fall nochmal einen höheren Schwierigkeitsgrad probieren. Die modulare Anpassung des Schwierigkeitsgerade gefällt mir sehr gut.
### Interaktion ####
Interaktion ist bei dem Spiel durchaus vorhanden, wenn gleich auch selten gezielt. Entscheidend hierbei ist die Beschränkung von immer weniger Spielfiguren pro Spielfeld je höher man den Berg rausklettert. Hier muss man gut abwägen wo die Mitspieler vlt. langziehen können und wo sie wahrscheinlich halt machen, damit man am Ende nicht das nachsehen hat.
Einen Effekt habe ich auch gar nicht erwähnt im Video: Man legt ja immer zu Rundenbeginn drei Karten raus mit denen man die Runde spielt. Wer hier die höchste Summe bei den Bewegungspunkten ausgelegt hat muss einen Strafmarker nehmen, mit dem ihm in dieser Runde entweder Bewegungspunkte oder Sauerstoffpunkte abgezogen werden. Das ist auch eine ganz nette Mechanik mit der man ein wenig taktieren bei der Auswahl von Bewegungs- und Sauerstoffkarten versuchen kann das meiste aus seinen Karten herauszuholen ohne Abstriche in Kauf nehmen zu müssen.
### Spielreiz ###
Die Mechaniken die das Spiel interessant machen sind wirklich eher klein: Die Beschränknung von Spielfiguren pro Spielfeld, die Wetterlage, die Strafmarker, nur Figuren die wieder im Basislager ankommen zählen für die Wertung; in der Summe machen sie aber Spiel aber durchaus interessant und weniger banal als es zunächst klingen mag. Allerdings muss man dennoch anmerken dass es sich eben immer noch um ein Laufspiel handelt. Zwar eines mit guten Mechaniken, aber das Rad erfindet auch K2 nicht neu. Sehr zu gute kommt dem Spiel das Thema, denn Bergsteigerspiele gibt es eigentlich so gut wie keine.
Womit man auch schon beim nächsten Punkt wäre, dem Wiederspielreiz. Meiner Meinung nach ist K2 kein Spiel das man oft hintereinander wieder und wieder spielen kann und möchte wie z.B. Dominion oder 7 Wonders.
Es handelt sich vielmehr um ein schönes Spiel, das man immer mal wieder hervorholen kann, bei dem der Reiz es wieder und wieder spielen zu wollen aber bei den meisten nach jeder Partie sinken dürfte, auch wenn es ein schönes und tolles Spiel ist.
### Spannung ###
Wer sich jetzt fragt, wo die in der Überschrift erwähnte Spannung entsteht: Das ist meistens dann der Fall wenn ich mir bestimmte Karten rausgesucht habe für meinen nächsten Zug, aber alles davon abhängt ob die Mitspieler die gleiche Route wählen und ob sie dann da stehen bleiben wo ich eigentlich hin wollte. Wenn dann nämlich die maximalzahl der Spielfiguren auf dem Feld erreich ist, kann sich mein eigener schöner Plan in wohlgefallen auflösen, also wartet man selbst sehr gespannt darauf was die anderen wohl in ihrem Zug machen.
Diese Situationen treten nicht permanent auf, ab der Mitte des Spiels aber gehäuft und sie sorgen dafür, dass man immer mehr von dem Spiel vereinnahmt wird und mitfiebert. Das gefällt mir sehr gut.
### Zielgruppe ###
Die Zielgruppe ist relativ schwer einzuordnen. Es fällt am ehesten in die Kategorie "gehobenes Familienspiel". Als reines Familienspiel fällt es durch, dafür sind die Regeln zu komplex. Das Spiel ist nicht in fünf Minuten erklärt und verstanden, auch wenn es sich weder um ein schweres noch um ein komplexes Spiel handelt. Auch richtige Hardcorestrategen fühlen sich sicher unterfordert. Wer letztes Jahr 7 Wonders mochte und sich jetzt von K2 etwas ähnliches erwartet wird eher enttäuscht sein. Daher passt wirklich am ehesten die Kategorie gehobenes Familienspiel, sprich Familien, die auch mal etwas interessanteres Spielen wollen, oder auch Gelegenheitsspieler. Sprich alle die nicht 3x die Woche spielen, sondern eher ab und zu und wo es dann auch nicht zwingend immer "lustig" sein muss, sondern auch gerne mal "interessant" sein darf.
### Fazit ###
K2 ist unterhaltsames gehobenes Familienspiel, bei dem es zwischendurch sogar immer wieder zu spannenden Momenten kommen kann. Das Bergsteigerthema wurde sehr gut umgesetzt mit tollen Mechaniken die einen auch wirklich zu einem gewissen Grad fühlen lassen, dass man einen Berg hinaufsteigt, das Thema ist also keineswegs aufgesetzt. Man muss die Mitspieler immer im Auge behalten und kann auch nicht einfach draus los klettern sondern muss immer im Auge behalten dass man zwar den Gipfel erreichen möchte, aber auf jeden Fall wieder im Basislager ankommen muss. Der modulierbare Schwierigkeitsgrad funktioniert wunderbar, die einzigen Probleme sehe ich im Langzeitspielspass bzw. im Spielreiz der nicht mit dem letzten Kennerspiel des Jahres "7 Wonders" mithalten kann. Davon abgesehen liegt hier wirklich ein schönes, rundes Spiel vor, das man allen empfehlen kann, die es nicht schreckt ein paar Seiten Anleitung zu lesen, bzw. wenn eine Spielerklärung länger als fünf Minuten dauert und die gerne auch interessante bzw. teilweise sogar spannenende Spiele spielen.
[...] Allen die sich K2 zulegen werden wünsche ich auf jeden Fall viel Spass mit dem Spiel :)