Moin! Ich bin zur Zeit auf dem Trip, mir Reise-Schachcomputer zuzulegen, um bei langweiligen Fernsehprogrammen oder an dem Ort, an den auch Könige alleine gehen, etwas Kurzweil zu erlangen. Tja, und so habe ich auch den Mephisto(R) Travel Chess Computer der Firma Saitek erworben. Er war wirklich sehr (sehr) günstig (unter 5 Euro), weshalb ich mich eigentlich gar nicht beklagen darf. Aber es könnte ja sein, dass jemand Anderes sich mit dem Gedanken trägt, ebenfalls dieses Gerät käuflich erwerben zu wollen, aber wesentlich mehr bezahlen soll, als ich es musste. Nun, ich habe schachlich eine Spielstärke von über 2100 DWZ, so dass ich mir natürlich darüber im Klaren bin, dass die meisten Programme auf dem Mini- bzw. Reiseschachcomputerniveau wenig Chancen haben zu gewinnen. Aber es geht mir ja auch nicht darum, gegen solche Maschinen ernste Turnierpartien mit 3 bis 5 Stunden Spieldauer auszutragen oder meine eigene Spielstärke mit Hilfe eines praxisorientierten Trainings zu steigern. Ich möchte - wie schon angedeutet - kurzweilige Unterhaltung und mein elektronischer Gegner sollte dabei nicht allzu lange über seinen Zügen brüten und trotzdem - wenigstens ein bisschen - Gegenwehr leisten. Und genau das vermag dieses Gerät nicht! Besonders wenn ich Spielstufen einstelle, bei denen ich nicht ewig auf seine Antwortzüge warten muss, zeigt dieses Programm den fatalen Drang, seine Dame zu früh ins Spiel zu bringen, sie auf exponierte Felder zu stellen, den König nicht aus Gefahrenzonen heraus zu rochieren und möglichst schnell, ein, zwei Figuren einzustellen. Ein Beispiel:
Ich - Computer (Level c1, durchschnittlich 45 Sekunden pro Zug)
1. e4 c6 2. f4 d5 (Dazu zwang ich ihn; sein Standardzug ist hier 2. ... Da5.) 3. Sf3!? dxe4 4. Sg5 Sf6 5. Lc4!? e6!? (Ambitionierter, aber auch viel gefährlicher ist 5. ... Lg4.) 6. Sc3 b5?! 7. Lb3 Dd4?! 8. De2 Sbd7 9. Scxe4 Ld6?? 10. c3 Db6 11. Sxd6+ Kf8 12. Sdxf7 Tg8 13. Sxe6+ (Lustigerweise meldet sich hier der eingebaute "Schachtrainer" und warnt mich mit aufgeregten Piepstönen, dass dieser Zug schlecht sei, weil der Springer f7 nun einsteht. Dass seine Position bereits so unhaltbar schlecht bleibt, dass ein weißes Figurenopfer nichts mehr verderben kann, wird offenbar nicht erkannt. Aber vielleicht will das Programm ja auch nur darauf hinweisen, dass 13. Sd6 kein Material zurück gibt und womöglich schneller gewinnt?!) 13. ... Kxf7 14. Sg5++ Kf8 15. De6 Se5 16. Sxh7+ Sxh7 17. Dxg8+ Ke7 18. Dxg7+ Sf7 19. Dxf7+ Kd6 20. Dxh7 a6 21. d4 Ld7 22. 0-0 Te8 23. f5 Kc7 24. Le6 Td8 25. Lg5 Db8 26. Lf4+ Kb6 27. Lxb8 a5 28. Ld6 Lxe6 29. Lc5+ Ka6 30. Da7#. (Bedenkzeitverbrauch Weiß: 4'46'', Schwarz: 17'36''
Nun kann man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass es Spaß machen kann, einen Maschinengegner mal so richtig "abzubürsten". Dem würde ich sogar zustimmen, wenn die Betonung auf "mal" liegt. Aber wenn praktisch jede Partie so abläuft, dann wird das auch langweilig. Ich erwarte von einem Programm, dass es wenigstens hin und wieder nette taktische Überraschungen bringt oder einen gewissen Widerstand leistet.
Aber abgesehen von der geringen Spielstärke und dem verschwenderischen Umgang mit dem eigenen Material gibt es noch einen Punkt, den ich sehr nervig finde, und zwar den Piepston, mit dem das Gerät eigene Züge ankündigt, bzw. ziehende Figuren begleitet. Es liegt auf der Hand, dass es hilfreich ist zu wissen, wann man wieder am Zug ist oder wann der Computer die Feldkoordinaten von einem ziehenden Stein registriert hat. Von daher ist ein akustisches Signal sehr günstig. Aber die hohe Frequenz, mit der dieses Gerät zu diesem Zwecke einen schrillen Piepston erzeugt, ist wirklich extrem nervig. Meine Frau hat mir jedenfalls "verboten", den Ton beim Fernsehen eingeschaltet zu lassen, was letztlich dazu führte, dass der Computer jetzt auf dem Klo sein Dasein fristet.
So bleiben als Pluspunkte das ansprechende Design (silbernes Gehäuse, blauer Deckel - sehr schick!), der am Gerät befestigte Deckel (das ist wirklich praktisch!) und die Fläche zur Aufnahme geschlagener Steine. Aber so etwas bieten andere - bessere - Geräte auch...
Fazit: Wer einen Reiseschachcomputer sucht, der ein wirklicher Gegner sein kann, dem rate ich vom Kauf dieses Gerätes ab (eine wirklich bemerkenswerte Alternative ist zum Beispiel der Mephisto(R) Advanced Travel ebenfalls von Saitek und ebenfalls im blau-silbernen Design).
LG von der Waterkant.