Bei Cashflow 202 handelt es sich um eine Erweiterung des Spiels Cashflow 101. Ohne CF 101 kann es nicht gespielt werden.
Hier ist auch der erste Kritikpunkt. Cashflow 202 beinhaltet für das eigentliche Spielen lediglich neue Karten (Der Markt, Kapitalzuwachs-Deal, Cashflow-Deal, Anfangsvermögen-Karte, Schnickschnack) und Aktien-Spielblätter (zum Eintragen seiner Aktienpakete, Shorts und Calls). Mehr wird zum spielen nicht zur Verfügung gestellt. Es gibt KEINE neuen Spielfiguren und KEIN neues Spielfeld.
Der weitere Umfang des Spiels: Umschläge ohne ersichtlichen Nutzen, Audio CD's auf Englisch von Kyiosaki, Bilanz-Spielblätter (wie aus 101).
Zugegeben, Cashflow 202 macht viel Spaß, wenn man sich bei CF 101 zu langweilen beginnt. Die Schnickschnack-Karten haben es in sich. Ist bei 101 noch alles relativ harmlos, kann bei 202 eine falsche Karte (z.B. Sportwagen-Leasing, Kind besucht eine Elite-Uni) schon schnell das Ende bedeuten.
Die Einkommen der Deals sind herabgesetzt (z.B. Mieteinnahmen) und erhöhen den Realismus zusätzlich.
Das Neue am Spiel: Die erweiterte Aktien-Komponente. Es ist nun möglich (und sollte auch zwingend genutzt werden), auf fallende oder steigende Aktienkurse (in Form von gezogenen Karten dargestellt) zu setzen. Dies nennt sich 'shorten' (auf fallende Kurse) - oder 'callen' (auf steigende Kurse) setzen. Dies ist Neuland für die 101 Spieler und es ist zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig. Die Spielanleitung gibt hier jedoch gute Hilfestellung.
Der Spielablauf:
Jeder Spieler zieht, nachdem er sich mit den neuen Bögen und den üblichen CF 101 Spielmaterial eingedeckt hat, eine Anfangs-Vermögens Karte. Man besitzt, ungleich zu CF 101, bei Glück zu Beginn des Spiels bereits Aktien, Immobilien oder Geld. Das Spiel findet auf dem gewohnten CF 101 Spielbrett statt und man versucht der Tretmühle (der Anfangs-Spielrunde) zu entkommen. Das ist schwierig, denn die Dealeinkommen fallen geringer aus, die Schnickschnack-Karten langen ins Portemonnaie, und auch auf sein Aktien-Glück kann man sich nicht verlassen. Wie bereits erwähnt, sollte trotzdem großes Augenmerk auf die Möglichkeiten des Aktienhandels gelegt werden.
Gut ist, dass Spieler nun untereinander besser zusammenarbeiten können. Es ist z.B. möglich, sich jetzt bei Käufen von Land zusammen zu tun. So erhält jeder, gemessen an seinem investierten Geld, seinen Anteil am Kaufobjekt.
Schlecht gemacht sind teilweise die Übersetzungen bzw. die Genauigkeit der Spielkarten. Es gibt z.B. eine Karte, in der man eine Immobilie auf Grund eines Erdrutsches eine zeitlang nicht mehr nutzen kann. Doch für wie lange ist nicht angegeben. Zum Teil sind einige Karten wirklich Auslegungssache der Spieler, da wichtige Informationen fehlen oder sich die Spielemacher keine weiteren Gedanken gemacht haben. Die Spielanleitung ist nur bedingt eine Hilfe. Schade! Hier hätte man wirklich genauer arbeiten sollen. Für den Preis kann man das schon erwarten.
Problematisch sehe ich den Zeitaufwand des Spiels. Um das Spiel wirklich zu verstehen, müssen viele Stunden investiert werden. Der Spielfluss ist auf Grund des schweren anfänglichen Verständnisses sehr zäh, da jeder Spieler bestrebt ist, möglichst wenig Fehler zu machen und alles zu verstehen. Weiterhin muss man das Doppelte des passiven Einkommens besitzen als bei CF 101, um die Tretmühle verlassen zu können. Dies zieht das Spiel weiter in die Länge. Es ist jedoch machbar!
Der Preis des Spiels ist definitiv zu hoch. Es handelt sich laut RichDad natürlich um ein Lernspiel. Das allerdings rechtfertigt keineswegs diesen teuren Preis. Letzendlich erhält man neue Karten und ein Aktien-Spielblatt (den Rest benötigt man wie gesagt nicht zum Spielen, sondern ist eine Art Zusatz für Wissbegierige).
Ich hätte mir für den Preis auch qualitativ hochwertigere Karten gewünscht. Die neuen Karten sind recht dünn und knicken schnell. Neue Spielfiguren wären schön gewesen. Ja, vielleicht sogar ein neues, interessanteres Spielbrett. Leider hat mich der Umfang des Spiels im Vergleich zu Preis nicht überzeugen können.
Lassen Sie sich zudem nicht vom Gewicht der Spielpackung täuschen. Es sind die dicken Spielblöcke (Bilanz- und Aktienblätter), die so schwer sind. Das ist zugegeben geschickt gemacht. Bei hohem Gewicht erwartet man natürlich mehr.
Fazit: Teure Zusatzvariante, die den Realismus bedingt erhöht und neue Herausforderungen bietet. Hoher Zeitaufwand, der den Spielspaß zu Beginn beeinträchtigt. 4 Sterne, da der Spielspaß mit dem Verständnis steigt.