Wenn man in sieben Jahren sieben Alben veröffentlicht, nimmt das die Öffentlichkeit unterschiedlich auf. Die einen loben Rihanna dafür und bewundern sie für ihren hohen 'Output' in so kurzer Zeit. Die anderen kritisieren, dass sich die Interpretin wohl überhaupt nicht mit ihren Songs identifizieren kann, wenn sie die in dieser kurzen Zeitspanne einsingen muss.
Nun, tatsächlich ist es so, dass "Unapologetic" seit
Good Girl Gone Bad aus dem Jahr 2007 das erste Album von Rihanna ist, bei dem sie an keinem Song als Songwriterin beteiligt war. Mehr oder weniger bekannte Texter (zu den bekannteren gehören wohl David Guetta oder Sia Furler) haben ihr die insgesamt 15 Songs geschrieben, die Rihanna binnen weniger Wochen eingesungen hat, sodass die CD gerade mal ca. zwei Wochen vor ihrem weltweiten Release fertig gestellt wurde.
Besonders viel Zeit hat man sich mit diesm Album also wirklich nicht gelassen.
Aber merkt man das den Songs an?
Ich habe mir mit dieser Rezension bewusst viel Zeit gelassen (immerhin besitze ich das Album schon seit seiner Veröffentlichung im November 2012), weil ich von Anfang an das Gefühl hatte, dass ein paar der Stücke Zeit brauchen, um sich dem Hörer entfalten zu können. Und so war es dann auch.
Hätte ich die CD kurz nach ihrem Erscheinen bewerten müssen, hätte ich ihr wohl nur einen Stern gegeben, da ich neben der Single "Diamonds" gerade mal zwei weitere Stücke gut fand. Das war zu einem "No love allowed", weil mir die Reggae-Elemente, die Rihanna manchmal in ihre Lieder einbaut, immer sehr gut gefallen. Da sie ja bekannterweise aus Barbados stammt, liegt ihr diese Stilrichtung sowieso irgendwie im Blut. Das Lied erinnert mich an "Man down" aus ihrem vorletzten Album
Loud und das gefiel mir auch schon recht gut. Das anders Stück, das ich anfangs schon mochte, war "Fresh off the runway", weil es eben so anders ist, als das, was von Rihanna bislang gekannt hat.
Und "Diamonds" gefiel mir ja soweiso von Anfang an gut. Das Lied ging mir schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf und auch wenn es im Radio hoch- und runtergespielt wird, geht es mir nicht auf die Nerven.
Wie gesagt: Den Rest des Albums fand ich anfangs nicht so berauschend. Jedoch sind manche Tracks im Laufe der Zeit gewachsen. Zumindest ich höre mir nun "Jump", "Right now", "Pour it up" "Love without tragedy/Mother Mary" und "Nobody's Business" viel lieber an als noch im November. Es ist allesamt keine musikalischen Meisterwerke, jedoch sind sie ganz nett zum nebenzu hören.
Als einzige Totalausfälle würde ich "Loveeeeeee Song" und "Get it over with" (total langweilig!) bezeichnen. Da spricht mich überhaupt nichts an. Der Rest vom Album (What now, Numb, Lost in Paradise, Half of me, Stay) ist 'ganz nett'.
Insgesamt erhält die CD also von mir 2,5 Sterne. Hier bei Amazon muss ich auf 3 Sterne aufrunden.
Auch, wenn das viele Menschen anders sehen (das habe ich zumindest schon häufig gelesen): Ihr Vorgängerwerk
Talk That Talk hat mir viel besser gefallen. Auch diese CD hatte ein paar Schwachstellen, jedoch nicht ganz so viele wie "Unapologetic". Und während das aktuelle Werk eigentlich nur "Diamonds" als Überhit vorweisen kann, hatte "Talk that talk" wesentlich mehr stimmige Lieder zu bieten (We found love, Roc me out, Talk that talk, Drunk on love).
Von daher ist "Unapologetic" für mich ein Rückschritt von Rihanna. Ich würde mir wünschen, dass sie sich mit ihrem nächsten Album mehr Zeit lassen würde und es nicht schon wieder im kommenden Herbst den Leuten um die Ohren haut. Das würde ihr als Künstlerin und den Songs sicherlich gut tun.