Perfekt! Das reicht schon als Kaufempfehlung.
Müssen Sie noch mehr wissen? Na gut: Zu Recht fast zwei Jahre in den Albumcharts - meist in den Top10 - und daher ein absolutes Standardwerk der südamerikanischen Rock/Pop-Musik ohne das übliche Latin-Lover-Gesülze, das bei uns sonst im Radio kursiert. Auf dieser Platte findet sich kein Lied, das nicht gefällt, alle begeistern auf unterschiedlichste Weise. Ein komplettes, in sich geschlossenes Album, das man immer wieder hören muss - abgesehen davon, dass der CD-Player nichts anderes mehr spielen will (außer andere Juanes-Alben ;-)). Es ist einfach alles meisterhaft aufeinander abgestimmt: Die Melodie, das Arrangement, die Komposition, der Einsatz der verschiedenen Instrumente, die Ausdrucksweise der Stimme. Diese setzt Juanes in jeder Lage perfekt ein, keine Brüche, keine Unsicherheiten, man lauscht andächtig und ist überrascht und so dankbar, dass heutzutage ein Star nicht nur eine solche Stimme hat, sondern die Songs auch selbst komponiert und auch noch Gitarre spielen kann! Juanes setzt mit diesem seinem zweiten Album ganz neue Maßstäbe und wurde nicht nur für dieses Album mit Preisen überhäuft! Dadurch relativiert sich die Musik, die man bisher gerne gehört und für gut befunden hat, man kann seine CD-Sammlung dann ausmisten.
Es geht gleich mit einem echten Knaller los: "A Dios le Pido": Ein Gute-Laune Sommerhit mit unwiderstehlichem Rhythmus und ernstem Text.
Ruhiger geht es mit "Es Por Ti" weiter: Sommerklänge für gepflegten Müßiggang.
"Un Dia Normal": Entspannte Musik, wunderbar komponiert, zum Dahinschwelgen.
"La Paga": Zwei Takte und schon man muss sich bewegen - aber nur keine Hektik! Unglaublich rhythmisch.
"La Unica" hat er seiner Mutter gewidmet. Ein typischer Fall von Juanes-Lied: Eigentlich ruhiger Anfang, zunächst eine unscheinbare Melodie, dann ein phantastischer Refrain. Wenn sich dieses Lied erst einmal im Gehörgang festgesetzt hat, ist keine Rettung in Sicht außer natürlich konzentrierte, wiederholte Aufnahme des Suchtmittels oder man hat Glück und es setzt sich beim erneuten Hören des Albums ein anderes Lied fest?!
Ein ganz heißer Kandidat dafür ist "Luna": Hier stimmt einfach alles: Komposition, Instrumente, Rhythmus und v. a. der Ausdruck der Stimme. Juanes singt überschwänglich, fast übermütig - kein Wunder, hat er doch den Song für seine damals noch ungeborene Tochter geschrieben.
"Dia Lejano": Diese traumhaft schöne Ballade raubt einem im wahrsten Sinne des Wortes den Atem. Beim Lauschen nichts Verantwortungsvolles tun wie Autofahren, man wird einfach schwach. Nach kurzem Gitarrenintro setzt Juanes mit seiner Stimme sanft, fast behutsam ein. Beim Refrain mit Streicheruntermalung werden die Knie weich. Wahrscheinlich die perfekteste Ballade auf Erden. Unfassbar schön.
Auf die (Tanz)Beine wird man wieder mit "Mala Gente" gestellt: Rockiger Sound, bestechender Refrain zum Mitsingen - v.a. die des Spanisch Nicht-Mächtigen freuen sich über das häufige Vorkommen des Titels ;-).
Juanes im Duett mit Nelly Furtado ergibt "Fotografia": Klar, dass das nur ein Hit sein kann. Hier springt einen die gute Laune der beiden direkt an. So viel Spaß kann gute Musik machen.
"Desde Que Despierto": Schnelle rockige und langsamere Elemente fügen sich hier meisterhaft zusammen.
"La Historia De Juan": Ganz gefährliches Lied, in dem die traurige Geschichte von Juan erzählt wird. Vorsicht! Hier lässt einen nicht nur der Refrain nicht mehr los; ganz schlimm ist der Schluss nur mit Gitarre und Streicher: Das kriegt man nicht mehr aus dem Kopf, da hilft nix, das ist einfach zu gut gemacht.
Mit einem Knaller fängt das Album an, mit einem ebensolchen wird es abgerundet: "La Noche" - ein temperamentvoller Sommerhit, zu dem sich die Beine von selbst bewegen. Latin-Pop im besten Sinne!! Wer hier die ersten Worte von Juanes mitsingen kann, hat den 1. Platz im Schnellsprechwettbewerb sicher!
Damit ist das Album abgeschlossen, aber man hat noch lange nicht genug: Mal schwirrt einem die Melodie im Kopf, mal muss man sich das Lied noch einmal anhören. Die ersten Wochen nach CD-Kauf (andere CDs? Wozu??) befindet man sich in einem permanenten Ausnahmezustand mit Entzugserscheinungen bei Nichthören - insbesondere bei kombinierter Einnahme mit dem dritten Album "Mi Sangre". Ich habe Sie gewarnt.