Altphilologie und Star Trek, die Erforschung der Antike und der unendlichen Weiten, auf den ersten Blick scheinen sie durch eine unüberbrückbare Distanz getrennt. Denkt man an Antike-Rezeption in Star Trek werden einem wahrscheinlich zunächst "Platons Stiefkinder" (Plato's Stepchildren) und "Meister der Sklaven" (The Gamsters of Triskelion) in den Sinn kommen, wobei in beiden Folgen der Originalserie die Bezüge schon mehr als offensichtlich sind. Doch wie Otta Wenskus mit viel Liebe zum Detail und einem bemerkenswerten Enthusiasmus aufzeigt gibt es da noch weit mehr zu entdecken. Natürlich gibt es auch andere Epen der Science Fiction welche mit einer bemerkenswerten Rezeption antiker Mythologie aufwarten können, doch kaum eines ist derart tief in die Populärkultur eingegangen und hat sich so etabliert wie Star Trek.
Es sind nicht bloß Raumschiffnamen, Gladiatoren oder Philosophen-Planeten die diese Antikebezüge ausmachen, sondern auch oft direkte Analogien zwischen Star Trek-Charakteren und Gestalten der altgriechischen Mythologie. Ob bewusst oder unbewusst, Science Fiction und damit auch Star Trek funktioniert ohne Vergangenheit einfach nicht, denn in so manchem Plot werden sich Anspielungen auf antike Mythen finden. So kann manche Antikerezeption eher zufällig geschehen sein, ohne dass die Autoren oder Produzenten einer Folge wussten, woher genau die antizipierten Ideen ursprünglich stammten.
Otta Wenskus weiß darum dass ihr Fachgebiet Gräzistik nicht unbedingt jedermann ein Begriff ist und selbst als "Wissenschaft von der altgriechischen Sprache u. Kultur" selten Reaktionen hervorruft, wie manch populärere Wissenschaften. Die Altphilologin verfolgt deshalb eine andere Strategie als graue Theorie zu dozieren, sie wendet sich gewissermaßen als Star Trek Fan an Fans. Für Wenskus die beste Lösung, denn nur im Gespräch unter Fans kann man einen belehrenden besserwisserischen Eindruck vermeiden und mit interessanten Erkenntnissen auftrumpfen, die umso begieriger aufgenommen werden. Und es ist wirklich bemerkenswert wie lebendig und interessant Wenskus ihren eigentlich wissenschaftlichen Vortrag gestaltet. Mitreißend nicht nur für Star Trek Fans, sondern auch jene welche die Serien und Filme bisher eher beiläufig verfolgt haben, denn Wenskus taucht tief in die Materie ein, trumpft mit Insider- und Fachwissen auf, so dass die Quellenangaben wie eine Mischung aus Star Trek-Magazinen und ansonsten eher reizloser altphilologischer Fachliteratur wirken.
Die Lektüre begeistert und so kann ich mich für meinen Teil nur Otta Wenskus abschließendem Resümee anschließen, dass jedoch nicht allein in Hinsicht auf Altertumskunde gelten muss: "Wenn die Vergangenheit selbst in der von euch so geliebten Zukunft eine so wichtige Rolle spielt, lohnt es sich doch sicher, sie auch für die Gegenwart zu entdecken." Würden doch nur mehr Autoren eine derartige Begeisterung für ihr Forschungsobjekt und Fachgebiet aufbringen, der mit ihrem Resümee verbundene Wunsch der Autorin würde womöglich Erfüllung finden.
Fazit:
"Umwege in die Vergangenheit" vereint wissenschaftlichen Ansprüche mit den hohen Standards der Fans und beidem wird das Werk gerecht, es begeistert und schafft Interesse, selbst bei zuvor Außenstehenden.