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Kurz: Das sind alles nicht die Zutaten, mit denen man Krimi-Konsumenten, die vor allem an gängige Kost gewöhnt sind, zu Freunden und damit zu Käufern macht. Und auch die bekennenden Fans der Abschweifung und des Abstrusen, des „ToRtengräbers" und des „Chengs" dürften allmählich Probleme kriegen, wird Steinfest doch von Buch zu Buch immer weniger ungebärdig, oder andersrum: immer nachdenklicher, plotmäßig immer stringenter, immer weniger ausufernd, sprachlich immer ausgefeilter, immer literarischer.
Stellt sich die Frage, wem dieses Buch überhaupt liegen könnte. Vielleicht versuch ich's mal so:
- Für mich war die ganze Geschichte ausreichend krimi-mäßig, auch ohne Kommissare oder Detektive an prominenter Stelle. Auch das Gerade-noch-Plausible stört mich wenig, vor allem, wenn es spannend ist, und das war es zweifellos. Manche Stellen finde ich geradezu brillant geraten (etwa der Schluss im Eis).
- Zugegeben: Die Steinfest-Sprache muß man mögen, sie ist gewöhnungsbedürftig. Er formuliert oft auf den ersten Blick sperrig, wiederholt, übertreibt und bombardiert einen mit einer Unmenge von Vergleichen. Doch letztlich passt alles ganz wunderbar zusammen und ist vor allem mitunter ganz unglaublich originell und witzig. Da fällt auch nicht weiter ins Gewicht, dass ihm diesmal eine Handvoll Vergleiche weniger geglückt sind.
- Für mich Steinfests größte Stärke: sein Umgang mit Klischees - grandios! Welche er aufnimmt, wie er sie bricht, ob bei seinen Handlungssträngen oder seinen Figurenzeichnungen, da kommt keine Langeweile auf im Gegensatz zu vieler seiner KollegInnen, bei denen man häufig schon ahnt, was als nächstes kommt.
Fazit: Leicht macht es Steinfest keinem, sich selbst nicht - mit dem Fanmachen -, seinem Verlag nicht - der ihn ja plazieren muß und dabei sichtbar Probleme hat - und auch seinen Lesern nicht, um deren Erwartungen er sich einen Teufel zu scheren scheint. Aber genau für die Zielgruppe scheint er mir der richtige zu sein: die es bei ihrer Lektüre schätzen, wenn ihre Erwartungen NICHT bedient werden - für Freunde der Zumutung.
Eine Bemerkung noch zum Schluss: Auch ich fand die Menge von Tipp- und Schreibfehlern abenteuerlich. Allerdings finde ich es KEINE gute Praxis, solche Verlags- oder Lektoratsschlampereien mit Punktabzug zu bestrafen, das trifft nur den Autor und sein Buch. Denn häufig wird auf den Punktedurchschnitt geschaut, Begründungen für Abzüge gehen unter. Deshalb besser gleich eine Beschwerde an Piper, dort gehört sie nämlich hin.
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