Leicht in einem zweifachen Sinn: einmal ist es ein recht schmales Bändchen mit knapp 70 Seiten Text, zum andern mangelt es mir auch an Gehalt. Niermann setzt sich in provokanter und satirischer Weise mit der deutschen Misere auseinander, die sich seit Wiedervereinigung und Globalisierung verschärft hat. Die Auswege, die er in zehn kurzen »deutschen Visionen« umreißt, sind in Abkehr von der Doktrin der Nachkriegszeit bewusst als nationale Sonderwege konzipiert. Ein paar Denkanstöße und Gimmicks sind durchaus dabei, aber nichts, das länger nachwirkt. Manches ist zu abstrus (wie die »demokratische Bombe«), anderes nicht wirklich originell. Wer zum Beispiel Ernst Jandls »Von einen Sprachen« und ähnliche Gedichte kennt, kann über Niermanns »Rededeutsch« nur müde lächeln. Wenn er in seiner Anleitung zudem bekennt, dass er etliche der hier vorgestellten Visionen Überlegungen aus seinem Freundeskreis verdankt, ist sein persönlicher Beitrag etwas zu dünn für zwei Buchdeckel, vor allem, wenn auch noch »edition suhrkamp« draufsteht.