Charles' Ziel ist der heilige Berg Khan Tengri in Kasachstan, wo sich einst die Schamanen in Ruhe zum Sterben zurückzogen. Auf der Suche danach begegnet er eines Tages einer geheimnisvollen Gestalt, einem Schamanen namens Shakuni, der mit seltenen Worten handelt. Zufällig landet Charles in einem Dorf, wo er auf die junge Nomadin Ulzhan trifft, von der er ein Pferd kauft, um seinen Weg fortzusetzen. Gegen den Willen von Charles heftet sich die junge Frau an seine Fersen, folgt dem vom Schicksal gezeichneten Mann durch karge Steppe, nuklear verseuchtes Atomtestgebiet, endlose Ölfelder, in denen Bohrtürme wie Menetekel gen Himmel ragen, bis zum Heiligen Berg an der Grenze zu China. Im Gebirge angekommen, bittet Charles seine Begleiterin ein letztes Mal darum, ihn endgültig allein zu lassen. Bevor Ulzhan ohne einen Blick zurück ins Tal reitet, bindet sie vorher noch sein Pferd an einen Felsen, in der Hoffnung, dass Charles wiederkommen wird.
Ulzhan ist keiner dieser Filme, die man locker zwischen zwei Hamburgern konsumiert, sondern wirft Widerhaken und erfordert Aufmerksamkeit. Und die lohnt sich. Das größte Plus in diesem schweigsamen Kampf zwischen einem desillusionierten Mann und einer mutigen Frau sind die faszinierenden Cinemascope-Bilder von Kameramann Thomas Faehrmann, der sich den Versuchungen des Dokumentarischen gegenüber resistent zeigt. Das Resultat: Eine poetische Odyssee in seelische Zwischenbereiche.
Eine meditative Reise ins Herz eines fesselnden Landes und ins Innere eines faszinierenden Mannes. Eine archaische, poetische, beinahe wortlose Liebesgeschichte. Und eine wunderschöne Ode an das Leben.
Ulzhan ist im Grunde ein archaisches Märchen. Eine Meditation. Ein trotz aller Melancholie tröstender Film, den sich Schlöndorff ironischerweise nun selbst anschauen kann, um wieder Mut zu schöpfen.