Elster, ein gebürtiger Norweger, ist bekannt, fast schon berühmt geworden
durch sein Buch
Ulysses and the Sirens: Studies in Rationality and Irrationality (Cambridge Paperback Library) von 1984. Er ist Robert K. Merton Professor of Social Science an der Columbia University. Er gehört wohl zu den produktivsten Autoren seines Faches.
Bekanntlich hat sich Odysseus von seinen Gefährten an den Mast binden lassen, um zwar den süßen Gesang der Sirenen hören zu können, ihnen aber dennoch nicht zu erliegen (Odyssee, 12. Gesang). Im Anschluss daran spricht man davon, dass sich Menschen, aber auch Staaten vernünftigerweise selbst binden, dass sie 'precommitments' eingehen, um im Zustand der Unvernunft keine Handlungen zu begehen, die sie später, wieder zur Vernunft zurückgekehrt, bitter bereuen müssten.
Diese Idee wird von Elster im ersten Kapitel, "Ulysses Revisited: How and Why People People Bind Themselves", auf menschliche Individuen angewandt. Wie können sich Menschen gegen Versuchungen wappnen?
Im zweiten Kapitel, "Ulysses Unbound: Constitutions as Constraints", wird diese Idee geradezu mustergültig auf politische Verfassungen angewandt.
Vor allem arbeitet der Verfasser heraus, dass Bindungen und Beschränkungen im politisch-rechtlichen Bereich überwiegend keine Selbstbindungen sind, sondern dass sie Fremdbindungen sind: Eine Generation bindet z. B. über eine verfassungsgebende Versammlung nachfolgende Generationen, die sich dieser Bindungen im Rahmen der Verfassung gar nicht entwinden können. Dies provoziert Fragen der (demokratischen) Legitimität, der Liberalität und der Rationalität, Fragen, die so leicht gar nicht zu beantworten sind.
Das dritte Kapitel, "Less Is More: Creativity and Constraints in the Arts", präsentiert die (für manche) überraschende Idee, dass Be- und Einschränkungen der Kunst durchaus förderlich sein können. In Hollywood hat der Hays Code dazu geführt, dass sich die Drehbuchautoren und Regisseure raffinierte Manöver einfallen lassen mussten, um die puritanische Zensur auszutricksen. Und im Jazz, der vielen seiner Anhänger als geradezu anarchisch gilt, ist ein Spiel und vor Allem ein Zusammenspiel ohne 'constraints' schlechterdings nicht möglich.
Wer gerne denkt, ist mit diesem Buch bestens bedient. Und wer gerne liest, ist beeindruckt von Elsters immenser Gelehrsamkeit.