Zunächst eine Anmerkung: Entgegen der Produktbeschreibung liegt dieser GPS-Pulsuhr KEIN Brustgurt zur Pulsfrequenzmessung bei! Ein Brustgurt ist offenbar auch nicht nachrüstbar. Die Pulsmessung erfolgt allein durch den Fingersensor.
Dieser GPS-Pulscomputer ist mein erstes Gerät dieser Art. Insofern kann ich keine anderen Geräte zum Vergleich heranziehen. Aber ich habe Erfahrungen mit GPS-Geräten, die man zum Wandern oder Geocaching benutzt. Und so habe ich bisher, wenn ich wissen wollte, wie lang eine meiner Joggingstrecken ist, mein sperriges Garmin 62s mitgeschleppt. Auch habe ich ich schon Trainings-Apps auf meinem Android Smartphone genutzt. Beides ist auf Dauer aber recht nervig. Und die aufgezeichneten Tracks waren (insbesondere bei der Smartphone-Lösung) recht ungenau. In dieser Hinsicht überrascht mich das Ultrasport-Gerät doch sehr: Die aufgezeichneten Tracks sind verblüffend genau und enthalten keine Ausreißer (Messpunkte, die außerhalb der tatsächlich gelaufenen Strecke liegen). Ein Beispiel lade ich als Bild zum Produkt hoch. Bei dem betreffenden Lauf war die Uhr unter dem Ärmel einer langärmeligen Laufjacke verborgen. Den Satellitenempfang stört das nicht. Erst mit einer dicken Winterjacke waren die Ergebnisse dann nicht mehr ganz so gut.
Die Uhr selbst ist angenehm leicht und beim Laufen kaum zu spüren. Sie ist über 5 Tasten zu bedienen, was nach kurzem Studium der Anleitung recht intuitiv gelingt. Die Anzeige ist gut zu erkennen und mit einer Hintergrundbeleuchtung versehen. Sie informiert auf bis zu drei "Bildschirm"-Seiten über alle wichtigen Dinge, z.B. gelaufene Strecke, Zeit, Durchschnittsgeschwindigkeit, Rundenzeiten. Zur Pulsmessung berührt man den metallenen Ring auf der Vorderseite der Uhr mit Daumen und Zeigefinger. Nach wenigen Sekunden kann man dann den Puls ablesen. Im Gegensatz zur Messung mittels eines Brustgurtes erfolgt die Messung also nicht kontinuierlich, sondern punktuell bei Bedarf. Entgegen meiner ersten Befürchtung lässt sich das während des Laufs ganz gut bewerkstelligen. Man braucht wirklich nur kurz zwei Finger auf den Ring zu legen bis die Uhr piept. Dazu sind keine weiteren Tastendrücke notwendig, alle Messungen während eines Laufs werden gespeichert. Natürlich bewertet die Uhr den gemessenen Puls auch hinsichtlich des Alters und des Gewichts des Nutzers.
Der GPS-Teil der Uhr beeindruckt mich, wie schon gesagt, sehr. Dazu trägt auch bei, dass die Uhr über A-GPS (Assisted GPS) verfügt. Das bedeutet, dass man aus der mitgelieferten PC-Anwendung heraus bereits im Vorfeld Satellitendaten auf die Uhr laden kann. Diese Daten tragen dann dazu bei, dass die Uhr praktisch augenblicklich ihre Position erkennt. Wenn man diese Funktion nicht nutzt, dauert die Positionsbestimmung ca. 60 Sekunden. Zusätzlich verfügt die Uhr über einen elektronischen Kompass und Navigationsfunktionen. Die Navigationsfunktionen beschränken sich aber darauf, einer festgelegten (oder zuvor aufgezeichneten) Route zu folgen, oder sich per Luftlinie zu einem definierten Punkt leiten zu lassen. Ein Routing, wie man es von Navigationsgeräten kennt, ist mangels integrierten Kartenmaterials natürlich nicht möglich.
Nach dem Training kann man die wichtigsten Daten auf der Uhr ablesen. Sehr viel einfacher und übersichtlicher geht das jedoch über die mitgelieferte PC-Software (und "PC-Software" heißt hier leider auch, dass Mac- und Linux-User außen vor bleiben). Die Software greift auf Google-Maps zurück und stellt die gelaufene/gefahrene Strecke auf einer Karte dar. Darunter sieht man in einem Koordinatensystem den Verlauf der gelaufenen Geschwindigkeit. Daneben gibt es allerlei Zusatzinformationen über die Gesamtstrecke, -zeit, verbrauchte Kalorien und vieles mehr. Die Software ist dabei mehrbenutzerfähig und erlaubt es auch, die Uhr zu konfigurieren (was wesentlich einfacher ist, als wenn man das an der Uhr selbst erledigt).
In der Uhr ist ein moderner Lithium-Polymer-Akku verbaut. Ohne GPS-Nutzung soll dieser die Uhr ein Jahr lang mit Strom versorgen können. Bei ununterbrochener GPS-Nutzung hält der Akku recht gute 14 Stunden durch. Geladen wird der Akku über das USB-Kabel, was nach vollständiger Entladung circa 2 bis 3 Stunden dauert. In der Regel reicht es, die Uhr nach einem Training und dem anschließenden Auslesen noch ein paar Minuten angeschlossen zu lassen, damit der Akku wieder vollständig geladen ist.
Mich begeistert dieser kleine Computer wirklich sehr. Angesichts des Preises bietet er wirklich eine Menge. Den außerordentlich guten GPS-Empfang traut man einem solch kleinen Gerät gar nicht zu. Die Pulsmessung geht einfach und schnell. Wünschenswert wäre hier höchstens noch die Option einer kontinuierlichen Messung mittels eines Brustgurtes.
Ergänzung vom 15.01.2012:
Etwa seit Anfang des Jahres werden die gelaufenen Strecken nicht mehr korrekt auf der Google-Maps-Karte angezeigt. Der Startpunkt stimmt noch, aber die Strecke hat einen anderen Maßstab als die Karte (wird größer angezeigt als der zurückgelegte Weg auf der Karte). Ich hoffe, dass das demnächst mit einem Firmware-Update behoben wird. Ansonsten bin ich weiterhin zufrieden.
Ergänzung vom 08.03.2012:
Ich sehe mich jetzt leider gezwungen, meine Rezension zu überarbeiten und die Wertung von einstmals 5 auf 4 Sterne zu korrigieren. Das oben angesprochene Problem mit den abweichenden Streckenverläufen in Google-Maps scheint an einem schwachen GPS-Empfang zu liegen. Mich hatte gewundert, dass meine Standardstrecke durch die Herrenhäuser Gärten immer korrekt angezeigt wird, wogegen eine Laufstrecke in Wiesbaden und die Strecke um den Maschsee in Hannover teilweise grobe Abweichungen zeigen. Schaut man sich die Abweichungen genauer an, erkennt man, dass an diesen Stellen meist schmale Wege unter dichtem Baumbewuchs hindurchführen. Dadurch wird das Sat-Signal natürlich geschwächt. Mein Kollege hat jedoch ein hochwertigeres Gerät eines anderen Herstellers und auf denselben Strecken keine Abweichungen.
Ferner "spinnt" der Pulssensor manchmal und misst selbst dann Werte, wenn man seine Finger nicht auf den Metallring legt. Das passiert immer, wenn ich eine bestimmte Laufjacke anhabe und schon stärker schwitze. Nach einer Weile vergeblicher Messung schaltet sich der Pulssensor dann ab, was wirklich ärgerlich ist, weil man dann für den restlichen Lauf keine Werte mehr erhält.