bücher, 02/2005
Ob man sich im blauen Neonlicht der klinisch-coolen Sayaka-Designbar im kolumbianischen Bogotá trifft oder bei einem Cappuccino im eleganten Wiener Palmenhaus die Zeit vergisst - für die trendigen Bars und Restaurants dieses Bildbandes ist wohl kein Weg zu weit. Der spanische Architekt und Designexperte Alejandro Bahamón stellt aufregende Locations vor. Knappe Texte erklären die hervorragend fotografierten Interieurs. Innenarchitekten und Designern bietet der Band zahlreiche Ideen. Für Normalsterbliche hält sich der Nutzwert in Grenzen, der Bildband bringt aber sicher ein wenig Glamour und Fernweh ins Haus.
FAZ, 24.03.2005
Kecke Betonvorsprünge Das Sehen und Gesehenwerden braucht Kulissen. Das sind in der bürgerlichen Gesellschaft traditionell die öffentlichen Plätze und Anlagen. Glaubt man dem Herausgeber des fünfsprachigen Bandes "Ultimate Restaurant Design", hat sich der Wechsel von außen nach innen vollzogen. Interieurs seien heute ein wesentlicher Teil der urbanen Architektur, heißt es in der Einleitung, so als zeige sich der moderne Flaneur nicht mehr auf dem Boulevard, sondern ziehe sich ins öffentlich zugängliche Innere zurück. In der Tat bieten sich in den Großstädten immer mehr Gasträume des Typs lässige Lounge zum zwanglosen Treffen an, die zwischen Salon und Warteraum changieren. Dieser Fotoband zeigt mehr als siebenhundert opulente Ansichten außergewöhnlicher Bars und Restaurants in Süd- und Nordamerika, Asien und Australien sowie Europa. Etliche davon reihen sich in den Lounge-Trend ein und repräsentieren sich eher als Kulisse für den spektakulären Auftritt denn als Raum fürs gemütliche Beisammensein. Freilich als Bühnenraum, der selbst Applaus bekommen will. Der Gast bekommt konsequent und mit unbändigem Stilwillen bis in den letzten Winkel in Szene gesetztes Ambiente zu sehen und zu spüren: in Bogotá beispielsweise als sensible Einordnung klarer Farben und Strukturen in einen Kolonialbau; in Miami nach bunter, runder Art-deco-Manier; oder in Las Vegas mit elliptischer Bronzewand und kecken Betonvorsprüngen ohne praktische Funktion. Auffällig ist, daß viele Gestaltungen in Ost und West, Süd und Nord japanisch anmuten, auch wenn die Räume keineswegs asiatische Gaststätten beherbergen. Einrichtungen in Tokio scheinen dagegen mutig aus einem Science-Fiction der achtziger Jahre zu entspringen. Europas öffentliche Innenansichten zeigen sich insgesamt unterschiedlicher. Das Pariser Restaurant "Bon" aus der bewährt-effektheischenden Hand des Platzhirschen Philipp Starck könnte stärker nicht kontrastieren mit dem futuristisch-frechen Stil im "Cabaret" vom Enfant terrible des französischen Designs Ora-ito. Das "Sketch" in London wagt einen spektakulären Stilmix in der Zusammenarbeit von Größen wie Ron Arad oder Marc Newson. Und, in Reykjavik findet der Brite Michael Young für den Nachtclub "Pravda" eine originelle Symbiose traditionellen Handwerks mit modernen Materialien in organischen Formen. Unter deutschen Dächern scheint es vergleichsweise brav zuzugehen. Berlin steuert die Bar des Grand Hyatt bei, mit der Dani Freixes aus Barcelona unauffällig und funktional drinnen und draußen verbindet. Die "Lounge 88" und die "Universum Lounge", beide von Plajer & Franz Studio, blicken ästhetisch in die fünfziger und sechziger Jahre zurück. Der Band gewährt interessante Einblicke ins internationale Innendesign, die, abgesehen vom japanischen "Mainstream", vor allem zeigen, daß die Gestalter das Element Farbe immer stärker durch Licht in Szene setzen. ken