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Produktinformation
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Biografien dienen vor allen Dingen einem Zweck: einen Menschen in seinem Werden und Handeln in seiner Zeit, so weit dies denn überhaupt möglich ist, zu verstehen. Wie konnte es dazu kommen, dass er dieses oder jenes getan oder unterlassen hat? Weshalb hat sein Leben an diesem oder jenen Punkt eine so jähe Wendung genommen? Letzte Antworten auf diese Fragen kann Ditfurth für das Leben Ulrike Meinhofs zwar auch nicht geben. Aber sie hat doch einige bisher wenig bekannte Details zutage gefördert -- und vor allen Dingen in einen in mancherlei Hinsicht erhellenden Zusammenhang gestellt.
Manchem mag die ehemals erfolgreiche Journalistin und spätere Terroristin angesichts der zweifellos großen Schuld, die sie auf sich geladen hat, zu sympathisch dargestellt erscheinen. Immerhin aber erfahren wir Details aus ihrer Kindheit und Jugend, die wir so bisher noch nirgends nachlesen konnten. Die Nazi-Verstrickung des Vaters etwa, von dem man bisher meist nur lesen konnte, dass er Christ und ein Gegner des Nazi-Regimes gewesen sei. Christ mag er gewesen sein. Aber er war ganz offenbar in Wahrheit alles andere als ein Gegner des NS-Regimes, sondern im Gegenteil sowohl selber Nazi, als auch Profiteur des Regimes. Auch über die Mutter und deren Freundin, die spätere Ziehmutter der Meinhof-Geschwister erfahren wir bislang Unbekanntes. Vor allem aber erhellt Ditfurth die politisch-historische Wahrnehmung der Meinhof, in dem sie uns die Zeitläufte der sechziger und frühen siebziger Jahre aus einer der Meinhof anverwandelten Sicht rekapituliert. Auch wenn die Autorin sich in mancher Einschätzung vielleicht ja irren mag, ist ihr doch ein alles in allem lesenswertes Buch gelungen, das, soweit wir dies überblicken, keineswegs nur Altbekanntes widerkäut. -- Andreas Vierecke
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Versuch zu verstehen,
Von Karsten Aalderks "specialized" (Lindenfels, Hessen, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Ulrike Meinhof: Die Biografie (Taschenbuch)
Vielleicht ist Jutta Ditfurth genau die richtige Autorin für diese Biografie. Für mich war es jedenfalls ein aufwühlendes Erlebnis dieses Buch zu lesen.Die unendliche Arbeit der Autorin spürt man besonders auf den ersten 300 Seiten. Eine vielschichtige Herleitung der Beweggründe einer der bedeutensten Frauen des Nachkriegsdeutschland.
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43 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ausgewogen!,
Rezension bezieht sich auf: Ulrike Meinhof. Die Biografie (Gebundene Ausgabe)
Jutta Ditfurths Annäherung an Ulrike Meinhof ist verblüffend!Sie beschreibt das Leben der einstigen Staatsfeindin Nummer eins auf sehr differenzierte und wohltuend unaufgeregte Weise. Bereits im vergangenen Jahr jährte sich Ulrike Meinhofs Freitod zum dreißigsten Mal. In diesem Jahr erinnern sich viele Zeitgenossen an die finalen Ereignisse der ersten Generation der RAF, den sogenannten "Deutschen Herbst" 1977. Ulrike Meinhof war eine ihrer Vordenkerinnen, gab gar der ersten Generation ihren Namen, die sich als Baader-Meinhof-Bande als verlängerter, illegaler Arm der APO verstand, jedoch in Wahrheit sehr schnell durch verabscheuungswürdige Terroraktionen ins politische Abseits geriet. Wer war diese Frau, die als politische Kolumnistin bereits eine beachtliche Karriere hinter sich hatte und gerade dabei war, auch als Dokumentarfilmerin Fuß zu fassen? Diesen Fragen geht Jutta Ditfurth, die in ihrem Buch durchaus eine Position der Achtung vor Ulrike Meinhof erkennen lässt, nach. Sie klagt nicht an, stellt aber die historischen Tatsachen ausgewogen dar. So ist eine sehr lesenswerte Biographie entstanden, die weder dem Mythos der "guten Terroristin" Vorschub leistet, noch einer Anklage gleicht. Das hätte man sicher bei Jutta Ditfurth auch nicht erwartet, eher das Gegenteil. Das sie auch das nicht bedient, ist vielleicht das größte Verdienst dieses Buches. Ulrike Meinhof, Jahrgang 1934, wuchs in einem intellektuellen, evangelischen Millieu heran, das jedoch stärker braun eingefärbt war, als bisher vermutet und dargestellt. Nach dem Tod des Vaters begann Ulrikes Mutter noch ein Studium und verliebte sich in eine junge Studentin, die nach dem ebenfalls frühen Tod der Mutter das Sorgerecht für Ulrike und ihre ältere Schwester bekam. Schon in ihrer Jugend war Ulrike ein widerständiger Geist. Hochintelligent und sehr fleißig, von ihrer sehr karrierebewussten Pflegemutter unterstützt, begann sie, sich politisch zu engagieren. Während ihres Studiums übernahm sie bereits Verantwortung, war führend in der studentischen Anti-Atom-Bewegung und geriet so in den Dunstkreis Klaus-Rainer Röhls, dem damaligen Herausgeber von "Konkret". Als KPD-Mitglied begann dort dann ihre journalistische Karriere. Nach der Heirat mit Röhl und der Geburt ihrer Zwillingstöchter begann Ulrike sich zunehmend unwohl zu fühlen: Sie war ein Teil der Hamburger Kultur-Schickeria, fühlte sich jedoch dem sich langsam entwickelnden linken Studenten-Protest weitaus mehr verbunden. So ließ sie sich scheiden, zog nach Berlin und schloss sich dem Kreis um Rudi Dutschke an. Ihre Arbeit, die sie - nach dem sie feststellen musste, dass der Widerstand nach 1968 schnell bröckelte - zunehmend radikalisierte, brachte sie schließlich in die Nähe Baaders und Ensslins, den beiden "Köpfen" der späteren RAF. Der Rest ist oft erzählt worden: Ulrike Meinhof hatte es zunehmend schwerer mit den anderen Mitgliedern der Gruppe, wurde schließlich 1972 gefasst und sah sich im Gefängnis schrecklicher Anfeindungen ihrer Mitstreiter ausgesetzt. So war Ulrike Meinhof schließlich tatsächlich von Feinden umgeben und sah schließlich keinen Ausweg mehr. Wie auch immer man zu Ulrike Meinhof stehen mag: Sie war eine hochpolitische Frau, die lange Zeit eine klare und durchaus nachvollziehbare Werte-Linie in ihrem Leben verfolgte. Das sie nie den Weg des geringsten Widerstands ging, darf man sicherlich sagen. Das sie jedoch schließlich einen Weg einschlug, der viele Menschen ins Unglück stürzte und absolut nicht gebilligt werden kann, verschweigt diese Biographie keineswegs. Darum: Absolut lesenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Bundesrepublik,
Von beokoll (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Ulrike Meinhof: Die Biografie (Taschenbuch)
Ich bin auf dieses Buch gekommen, weil ich mir kurz vorher den Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" angeschaut habe und davon maßlos enttäuscht war: ein Action-Film, der den nach geborenen ein verzerrtes und total übertriebenes Bild jener Zeit der RAF bietet. Damit es klar ist: ich habe die Methoden der RAF immer für absolut hirnrissig gehalten und sie auch als kontraproduktive für die gesamte linke Bewegung angesehen. Aber ich denke, die heutige junge Generation hat ein besseres und differenzierteres Bild über jene Zeit verdient. Mir hat dieses Buch viele sehr interessante und neue Einsichten in das Nachkriegsdeutschland geliefert, die ich als Kind und Jugendlicher nur immer bruchstückhaft und verzerrt als versteckte CDU-Meinung mitbekommen habe. Ich bin jetzt mitten im Buch, habe es noch nicht zu Ende gelesen; mich beeindruckt aber auch die Darstellung der 1986er Zeit,die ich selbst schon aktiv mitbekommen habe und auch hier gewinne ich neue Einsichten in diese für die demokratische Entwicklung der Bundesrepublik so wichtige Zeit.Ich bin beeindruckt von der guten Recherche, die Jutta Ditfuth abgeliefert hat; diese akribische Arbeit macht das Buch besonders glaubwürdig und wertvoll. Ich habe das Buch schon jetzt , nachdem ich erst die Hälfte gelesen habe an viele Kollegen und Freunde weiter empfohlen. Jutta Ditfurth hat ein sehr gutes Buch geschrieben Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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