Hier war mal eine tolle Rezension zu der Ulrike-Trilogie, die mir aus der Seele gesprochen hat. Da sie leider verschwunden ist, will ich versuchen, sie sinngemäß wiederzugeben ' das wird nicht schwierig, weil ich exakt dasselbe über diese Bücher denke.
Da ist zunächst einmal die Vorbemerkung, irgendein Zeitungsausschnitt, in dem es heißt, es sei eine wunderbare Geschichte, die zeige, daß nicht alles zu erreichen sei 'mit Lidschminke', sondern daß es viel wichtiger sei, 'eine gute Kameradin zu sein' - der moralische Zeigefinger also ' und dann noch der Zusatz 'auch den Jungen gegenüber' - absoluter Schwachsinn, da in den Büchern kein einziger Junge vorkommt.
Also, die Geschichten spielen in den 1960er Jahren, und ich hoffe ' wie die Verfasserin der verschwundenen Rezi ' inständig, daß es in deutschen Internaten nicht mehr so zugeht wie auf Burg Hartenstein: Kaum Freizeit, Postkontrolle, kilometerlange Fußmärsche als Strafe für Fehlverhalten... Die Handlung ist aus zigtausend ähnlichen Geschichten bekannt: Hochnäsiges Mädchen wird ins Internat geschickt, verhält sich anfangs aus Protest unausstehlich, erkennt aber bald, wie toll die Schule ist, legt ihr affiges Getue ab und wird ein guter Kumpel, mit dem man Pferde stehlen kann... gähn!
Ulrike hat, wie die meisten Hauptfiguren von Marie Louise Fischer (siehe 'Leona' und 'Isabell') blonde Haare und graue Augen, eine Art Prototyp dieser Autorin. Ihr Gehabe ist leider so übertrieben, daß es nicht mehr feierlich ist ' welche knapp Zwölfjährige drückt sich bitteschön so aus: 'Was man in einer Ausstellung zeigt, hört auf, eine Privatsache zu sein.' Stimmt, aber kein Mädchen dieses Alters redet so, und so erst rcht nicht: 'Die vom Zeichenclub haben die Techniken gewählt, durch die sich mit dem geringsten Können der größte Effekt erzielen läßt.'
Interessant ist höchstens, daß Ulrikes beste Freundin ausgerechnet ein Mädchen wird, das in jeder Hinsicht ihr Gegenteil ist: Gaby, eine ziemlich schwache Schülerin, dafür aber eine ausgezeichnete Sportlerin, mit miserablen Manieren. Sie ist eine witzige Figur ' in Wirklichkeit fände ich ein solches Mädchen wohl anstrengend, aber über sie zu lesen, ist lustig.
Gelungen ist auch die Geschichte des Theaterstücks ' Ulrike schreibt nämlich ein eigenes, und die Aufführung ist ok, aber kein rauschender Erfolg wie sonst in Mädchenbüchern üblich (man denke an die Dolly-Reihe von Enid Blyton ' Dollys Theaterstück wird natürlich ein Bombenerfolg), und Ulrike ist unzufrieden, doch der Direktor tröstet sie: 'Es ist besser, als du denkst ' für einen ersten Versuch ist es sogar sehr gut.' Diese realistische Darstellung finde ich gut.
Es handelt sich um ein Mädcheninternat, so daß die Schülerinnen keine Kontakte zu gleichaltrigen Jungen haben. Logische Folge: Alle schwärmen für einen gutaussehenden Lehrer ' delikaterweise auch noch für den REITlehrer! Diese unfreiwillige Komik habe ich als Kind gar nicht gesehen, sie ist mir erst aufgefallen, als ich das Buch vor einiger Zeit noch einmal gelesen habe. Unterhaltsam ist das Buch also durchaus ' also bin ich mal großzügig und gebe drei Sterne, mehr gehen bei einem so abgegrasten und absolut unoriginellen Thema wirklich nicht.