Mit seinen neueren großen Spielfilmen "Import - Export" und "Hundstage" ist der österreichische Regisseur Ulrich Seidl auch einem größeren Publikum bekannt geworden. Sein schonungsloser, entlarvender Blick hinter die Fassade von kleinbürgerlichem Alltag (Hundstage) oder auch alltäglichen Schemata der Ausbeutung (Import Export), haben viele fasziniert und erschreckt. Unter das vielfältige Lob mischte sich auch der leise Verdacht einer gewissen Menschenverachtung und Bloßstellung. Dass dieser Verdacht auch auf seine neuen Werke nicht zutrifft, sondern dass wir es mit einem äußerst differenzierten und sensiblen Blick auf Einzelschicksale zu tun haben, zeigen nicht nur Filme wie "Import Export" selbst, wenn man sie genau betrachtet. Gerade Seidls frühere dokumentarische Arbeiten, die in diese Kollektion Eingang gefunden haben, stehen für diese Art von differenzierter Betrachtung, die nicht von Kälte und Verachtung, sondern von Mitleid und Liebe zeugt (besonders in "Mit Verlust ist zu rechnen"). Die gelungene Zusammenstellung dieser Filme, bei denen nicht immer genau auszumachen ist, ob sie nun dokumentieren oder inszenieren, ergibt das umfassende Bild eines der besten und originellsten deutschsprachigen Regisseure unserer Zeit!