Dies ist ein Abenteuerband zu dem Horror-Rollenspiel "H.P.Lovecrafts Cthulhu". Er enthält ein kurzes, aber sehr gut recherchiertes Kapitel über Schwaben: Orte, Legenden und Lebensweise und außerdem zwei Abenteuer auf der Schwäbischen Alb. Schwaben ist ja nun nicht gerade eine Gegend, die man mit kosmischem Horror verbindet, lediglich mit einem für Nicht-Schwaben grauenhaften Dialekt. Doch die Autoren vom Pegasus-Verlag lassen sich bekanntlich nicht durch Oberflächlichkeiten narren und enthüllen uns die Geheimnisse aus den Karsthöhlen der Alb...
Das erste Abenteuer, "Unsere liebe Frau aus den Wäldern" von Steffen Schütte ("Die Froschkönigfragmente") ist, wie bei diesem Autor nicht anders zu erwarten, stark detektivisch aufgebaut, mit einem ungewöhnlichen Aufhänger: Ein Elternpaar bittet um Hilfe wegen der Entführung ihres Kindes, nur um sich am nächstem Morgen an nichts, nicht einmal besagtes Kind, erinnern zu können. Eine Irrenanstalt, mysteriöse Nonnen, unheimliche Großmütter und Marienverehrung der besonderen Art spielen auch eine Rolle, das Ende ist überraschend actionlastig.
Insgesamt ein spannendes Abenteuer, mit witzigen Passagen einerseits und schockierend ernsten Themen andererseits(Kindesentführungen usw...) zu jonglieren weiß. Kleiner Makel: der norddeutsche Autor versagt in einer Passage zu Beginn greulich dabei, einem Charakter schwäbischen Dialekt in den Mund zu legen. Schade, aber das muss man als Spielleiter eben selber machen.
Das zweite Abenteuer, "Das blaue Tor" von Jan-Christoph Steines ("Deutschland - Goldene Jahre, blutige Kriege"), führt auf einigen Irrwegen zurück an einen im vorigen Abenteuer bereits aufgesuchten Orte - den Blautopf zu Blaubeuren, wo einige böse Überraschungen warten. Auch hier geht es um das Schicksal eines verschollenen Kindes, ein Wunderkind diesmal, doch die Geschichte ist eine völlig andere. Die Charaktere werden mit seltsamen Morden konfrontiert, mit Telekinese, Visionen, "unentrinnnbarer" Festungshaft, einer Naturkatastrophe und wieder einem seltsamen Fall von Marienverehrung, alles ist sehr skurril. Ein großartiges Abenteuer, jedoch nicht ganz einfach für die Spieler, da es sich um eine sehr ungewöhnliche Geschichte handelt. Kleiner Makel: ein Eisenbahntunnel bei Vöhringens spielt eine Rolle, obwohl dort eigentlich alles völlig flach ist. Der Autor hat mir jedenfalls versprochen, nie wieder nicht-existente Eisenbahntunnel auftauchen zu lassen ;-)
Insgesamt ein wirklich toller Cthulhu-Abenteuerband für eine Deutschland-1920er-Kampagne, die beiden erwähnten kleinen Makel sind eher amüsant als störend, darum gebe ich auch die volle Punktzahl! :]