Gedreht nach dem Roman des Pfarrers von Lütezlflüh, zeigt dieser Film ohne "Goldenen Zeigefinger" die Kämpfe und Versuchungen eines durchschnittlichen Menschen. Angst vor Ruin und Aussicht auf Gewinn verleiten ihn zu einem Geschäft auf Kosten eines Schuldenbauern. Einzig seine Frau (beste Leistung Liselotte Pulvers, die ich kenne) behält den Kompass im Auge. Geführt von der Liebe und festem Glauben führt sie ihren Uli auf den rechten Pfad zurück. Dass sich ein Mensch wandeln, festigen kann, ist die Botschaft des Films. Wäre das Wort "Moral" durch die politisch Korrekten nicht pervertiert, müsste man davon sprechen, als Kontrast zur heutigen schamlosen Boni-Mentalität. Als Zeugnis eines zu Lebzeiten des Schriftstellers wie auch zur Drehzeit des Films noch kraftvollen Protestantismus ist dieser Film ein Meilenstein. Ospel, Grübel, Vasella und Co, dürfte er nicht gefallen.
Dass der Film hier nicht in der berndeutschen Originalfassung (zumindest als Option) vorliegt,sondern in einem Schweizer Hochdeutsch, irritiert mich als Berner, ist jedoch dem nicht-bernischen Publikum zu gönnen (selbst Schweizer haben mit dem sauberen Dialekt Mühe).